'Die Vorstellung' bei Schopenhauer

 

Mensch - Tier

Im ersten Buch seines Hauptwerkes schreibt Schopenhauer: ‚dies ist die Wahrheit, welche in Beziehung auf jedes lebende und erkennende Wesen gilt'. Auch die Tiere sind für Schopenhauer lebende und erkennende Wesen. Bei anderen Philosophen ist die Auffassung zu finden, dass der Mensch sich dadurch vom Tier unterscheidet, dass er wahrnehmen und erkennen kann. Das Tier kann zwar wahrnehmen, aber nicht erkennen. S. glaubt, dass Tiere auch vom Kausalitätsatz Gebrauch machen können und deshalb Kausalzusammenhänge erkennen können. Jedoch können Tiere keine abstrakten Begriffe bilden, weil sie das ‚reflektierte abstrakte Bewusstsein' nicht besitzen. Der Mensch hat dieses Bewusstsein. Aus diesem Grund kann er bewußt werden, dass die Welt seine Vorstellung ist. S. bezeichnet dieses Bewusstsein als die Wahrheit, die der Mensch erkennen kann. Diese Wahrheit macht den Menschen ‚philosophisch' besonnen.

Objekt- Subjekt

Die Objekt- Subjekt- Spaltung gehört bei Schopenhauer nicht zum ‚Ding an sich'. Wir unterscheiden in unserer Vorstellung zwischen Objekt und Subjekt. Mit der Spaltung vermögen wir erst vorzustellen. Denn dadurch unterscheiden wir zwischen uns und dem Vorgestellten, wobei wir die Subjekte und das Vorgestellte die Objekte sind. Die Wahrnehmung setzt die Spaltung voraus, da wir erst durch sie zwischen unserer inneren und der äusseren Welt unterscheiden können. Ob wir wahrnehmen, oder ein Dreieck in reiner Anschauung konstruieren, immer differenzieren wir zwischen Subjekt und Objekt. Das Subjekt kann sich selbst nicht erkennen. der Grund liegt in der Objekt- Subjekt- Spaltung. Denn sie ist eine Bedingung unseres Vorstellens. Dadurch, dass sie Grund unserer Vorstellung ist, sind wir nicht in ihr gefangen. Jeder findet sich als Subjekt, jedoch nur dann, wenn er erkennt und nicht das Objekt der eigenen Erkenntnis ist. Als erkennende Subjekte sind wir für uns unerkennbar. Unser Körper ist für uns erkennbar, weil S. annimmt, dass er für uns ein Objekt ist.

 

 

‚Der Wille' bei Schopenhauer

 

Was ist Wille

Wir sind nicht nur erkennende Subjekte, sondern auch leiblich. Diese Tatsache macht uns zu Individuen. Das Leibliche gibt uns die Möglichkeit über die reine Vorstellung hinaus zu existieren. Es ist das Objekt an uns selbst, denn wir erkennen unseren Leib als Objekt, da unsere Erkenntnis in unserem Subjekt liegt. Unser Leib ist als Objekt vom principium individuationis und vom Gesetz der Kausalität bestimmt. Dennoch ist unser Leib mehr. Aus ihm entspringt unser Wille. Er ist nicht nur Objekt unter Objekten, sondern er ist das uns unmittelbar Bekannte, welches das Wort ‚Wille' bezeichnet. Der Wille und der Leib zeigen sich von innen betrachtet als unlöslich vereint. Jeder Akt unseres Willens äussert sich an unseren Leib. Denn unser Leib vollzieht unseren Willen. Eine Tat unseres Leibes setzt unseren Willen voraus. Jedoch gibt es auch Willen, die unseren Leib nicht voraussetzen, z. B. wenn ein Wille da ist, etwas zu unterlassen, dann löst dieser Wille keine Tat unseres Leibes aus. Unser Leib ist nicht nur Vorstellung, sondern auch Wille. Das innere Wesen des Leibes ist der Wille. Alle Erscheinungen haben als innere Wesenheit den Willen. Alle sind Objektivationen des Willens. Einzig der Wille ist real, daraus folgert S., dass alle Erscheinungen Willenserscheinungen sind. Wir besitzen zwar den Willen, aber wir können ihn nicht erkennen.

 

Schopenhauers Konzeption der Welt als Wille

Unser Leib ist mehr als eine bloße Vorstellung. Er ist real. Denn das Wirkliche in uns, nämlich unser Wille erscheint in ihm. Darauf gründet S. seine Idee, dass die ganze Welt der Vorstellungen auf die Welt als Wille basiert. Das Leibliche bildet mit dem Willen eine Einheit. Darum hinterlassen Einflüsse auf unseren Körper auch Spuren an unseren Willen. Jede heftige und übermässige Bewegung des Willens, z. B. Affekte stören ebenfalls den Leib und dessen inneres Getriebe und den Gang seiner vitalen Funktionen. Der Leib ist das einzige wirkliche Individuum, da alle anderen Objekte bloß Erscheinungen sind. Sie sind Phantome ohne Wirklichkeit. Das einzig Wirkliche ist für jeden von uns einzig unser Körper. Um zu beweisen, dass die Aussenwelt bloß aus Vorstellungen besteht, macht S. eine Annahme. Er nimmt an, dass alle Subjekte für alle anderen Wesen, Objekte sind. Doch wenn man ihr Dasein als Vorstellung des Subjekts bei Seite setzt, dann muss das noch übrig Bleibende, der Wille sein. Also gibt es für einen Subjekt, ausserhalb von ihm nur Objekte. Sein Körper ist Objekt und Wille zugleich. Der Kant'sche Begriff des ‚Ding an sich' wird bei S. durch den Willen ersetzt. D.h., wenn man das ‚Ding an sich' als Wille betrachtet, dann bedeutet es mit Bezug auf die leblose Natur, dass die in ihr waltende Kräfte ihrem Wesen nach Wille sind. Der Wille werkt im Wirken der Naturkräfte. Das Motiv des Willens ist nicht die Erkenntnis. Der Wille will nicht erkennen, sondern nur tun, d. h. dass er keinen Sinn ausserhalb von sich hat. Das Motiv des Willens wird erst durch die Tat, die der Wille bewirkt, sichtbar.

 

Der Wille will das Leben

Der Wille als Ding ist raumlos, sowie zeitlos. Er fängt in der Zeit nicht an und hört in ihr nicht auf. Ausserdem existiert er nicht im Raum. Raum und Zeit sind für Schopenhauer für die Vielheit verantwortlich. Der Wille als Ding ist darum nicht die Vielheit, sondern nur einer. In seinem Hauptwerk schreibt S., dass der Wille, der ‚das Wesen der Welt' ist, an sich grundlos und ziellos ist. Der Grund für diese Aussage ist, dass der ‚Wille an sich' ohne Motivation ist. Er hat keinen Grund, warum er will, darum hat er auch kein Ziel, das er erreichen will. In diesem Zusammenhang spricht S. vom endlosen Streben. Das menschliche Wollen kann aus diesem Grund niemals befriedigt werden, weil der Mensch immer nach neuen zielen strebt. Der Mensch wird nicht vom ‚Willen an sich' getrieben, sondern von der Objektivation seines Willens, was der Körper ist. Auch weiss der Mensch nicht, was er überhaupt will, sondern nur, dass er will. Das einzige, was der ‚Wille an sich' will, ist zu leben. S. meint, dass das Leben nur dadurch Sinn hat, weil der Mensch will. Der Wille zum Leben ist der Sinn des Lebens. Darum hat der Wille in sich Sinn. Der Sinn ist das ‚Lebenwollen' des Willens. Also möchte der Wille, dass das, was er will in der Wirklichkeit existiere. Er will seine eigene Objektivation, er möchte erscheinen. Er möchte im Raum und in der Zeit existieren, er will sichtbar werden, eine Anschauung sein, und er will nach aussen treten.

 

 

Die Welt als Wille und Vorstellung

Der Wille will leben, er ist bei Schopenhauer das Ding an sich. Die Intention des Willens ist es als eine Seinsweise seines Selbst zu erscheinen. Die Welt als Vorstellung ist auch eine als Wille. Die Erscheinungen sind beides. Sie sind Vorstellungen unseres Erkenntnisvermögens und Äusserungen des Willens zum Leben. Aus diesem Grund sind unsere Vorstellungen in der Realität der Aussenwelt vorhanden. Der Wille als Ding erscheint in den Formen, die Erkenntnisbedingungen des Menschen sind. Die Erscheinungen als Vorstellungen kommen vom erkennenden Subjekt und vom Ding an sich, das Wille zum Leben bedeutet. Der Wille äußert sich im Willen zum Leben, daraus ergibt sich der Schluß, dass die sichtbare Welt eine Willensäusserung ist. Objektivation und Abbild des Willens ergeben die sichtbare Welt. In den mannigfaltigen Willenserscheinungen spiegelt sich das Wesen des Willens zum Leben. Je stärker das Wollen nach Leben, desto stärker ist Wille danach. Darum besitzen die Wesen der belebten Natur einen stärkeren Willen, als die der unbelebten Natur. In einem Stein äussert sich zwar auch der Lebenswille, aber er ist schwächer als z. B. bei einem Tier. Der Wille, der rein an sich betrachtet, erkenntnislos und nur ein blinder Wille ist, bekommt durch die Welt der Vorstellungen, die Erkenntnis von seinem Wollen. Er will diese Welt, das Leben, wie sie auch sein mögen. Das Leben, so wie es dasteht ist das Wollen des Willens. In der Welt der Erscheinungen hat der Wille seinen Spiegel, in ihr erkennt er sich.