Resolution

der Buddhistischen Gemeinschaft Salzburg (BGS) zu

den ethnischen Konflikten in Burma

 

„Gewalt im Namen Buddhas“ ?

 

Resolution in English

 

Seit einiger Zeit berichten Medien über Gewaltausbrüche von „Buddhisten“ gegen Angehörige anderer Religionen und Ethnien. Namentlich ein verblendeter Mönch, Ashin Wirathu und seine rassistische Bewegung 969 heizen die Situation gegen die muslimischen Rohingyas und andere muslimische ethnische Minderheiten in Burma an.

 

Auf dem fruchtbaren Boden der Diskriminierung und Hetze gegen Minderheiten durch die Jahrzehnte der Militärherrschaft, gelingt es der extremistischen Bewegung 969 immer wieder Mobs zu Gräueltaten aufzuputschen.

 

In der Medienwelt, so auch im österreichischen Blätterwald rauscht es vernehmlich, dass der Buddhismus also gar nicht so friedlich sei, wie man immer glaubte.

 

Was immer das Interesse der Medien dahinter auch sein mag, wir kennen das Muster zur Genüge: nationalistische, ethnische, soziale und sonstige Konflikte werden zu „Religionskriegen“ uminterpretiert: Protestanten gegen Katholiken in Nordirland, Juden gegen Muslime in Israel, Muslime gegen Buddhisten in Bangladesch, Sunniten gegen Schiiten im Irak, Muslime gegen Christen in Ägypten und schließlich nun auch Buddhisten gegen Muslime in Burma.

 

Fest steht allerdings, dass Religionen nicht davor gefeit sind, von politischen Gewalttätern aus Regierungen und ihren Gegnern als Camouflage für ihre kriminellen Handlungen missbraucht zu werden. Mit den Grundlagen und Aussagen der jeweiligen Religionen hat das wenig gemein.

 

Die Buddhistische Gemeinschaft Salzburg (BGS) distanziert sich mit Nachdruck von allen derartigen Gewaltanwendungen und Verbrechen.

 

In Buddhas Lehrreden (immerhin Tausende von Texten) wurde bisher keine einzige Rechtfertigung für Gewaltausübung gefunden. Begriffe wie "Heiliger Krieg", "Kreuzzug", "Kampf gegen das Böse", „Ungläubige“, sind dem Buddhismus unbekannt. Die buddhistischen Praxis beruht auf der Übung von Ethik und Meditation und auf dem Prinzip, niemandem Schaden zuzufügen (Ahimsā). Hass und Gewalt zeugen davon, dass die gesamte Lehre des Buddha in keiner Weise verstanden wurde. 

 

Die Lehre des Buddha wird daher zweimal missbraucht: Einmal von einem verblendeten „Mönch“, der seine Landsleute verhetzt und einen rassistischen Mob zur Gewalt anstiftet. Ein zweites Mal von unseriösen Aufmachern einseitig-plakativer Berichterstattung.

 

In Burma gibt es keine „Gewalt im Namen Buddhas“, sondern die „969 Bewegung“ rassistischer Burmesen. Ähnlich wie in Sri Lanka, wo seit Jahren rassistische Singhalesen ihr Unwesen treiben. Das hat nichts mit Buddhismus zu tun, sondern mit ethnischen Konflikten, die sich zu Pogromen auswachsen können und die Menschen und Regierungen aller Welt in die Verantwortung fordern

 

Asiatische Medien (z.B. Buddhist Channel) berichten, dass die neue, vom Militär geduldete 969-Bewegung prügelt, mordet und brandschatzt, um Burma zu destabilisieren - damit das Militär nicht die Macht an eine zivile Regierung übergeben muss, sondern als „Retter der Nation“ wieder die Herrschaft übernehmen kann.

 

Wir rufen alle buddhistischen Organisationen auf, nicht nur gegen Gewalt allgemein, sondern auch gegen diesen zweifachen Missbrauch der Buddha-Lehre Stellung zu beziehen. Alle, die Insider-Kontakte zu BuddhistInnen in Burma und Sri Lanka haben, sollten diese zusätzlich für Recherchen und Analysen vor Ort nutzen.  

 

Viele Burmesen sind durch die 50-jährige Militärdiktatur, die Jahrzehnte lang ethnische Minderheiten unterdrückte, beeinflusst und laufen der inhumanen Bewegung „969“ in Scharen nach. Die jetzige Regierung greift kaum ein. Der burmesische Mönch Ashin Wirathu, der auch auf „YouTube“ sein Unwesen treibt, missbraucht seine Robe als formale Autorität und inszeniert sich als Wortführer der burmesischen Rassisten, die Burma von allen muslimischen Minderheiten säubern wollen.

Der Mann saß bereits 9 Jahre im Gefängnis!

 

Abermals muss klargestellt werden, dass ein solches unwürdiges Verhalten nichts mit Buddhismus zu tun hat, aus dem unethischen Prinzip „only bad news is good news“  aber von vielen Medien so transportiert wird; nach dem Motto: „Buddhisten gegen Muslime“.

 

In Wahrheit stehen die zum Teil nationalistisch-rassistisch belasteten Regierungen in Burma und Sri Lanka der Gewalt durch burmesische und singhalesische National-Extremisten, die im Stil von Neo-Nazis agieren, gleichgültig und teilweise sogar wohlwollend gegenüber.

 

Europas BuddhistInnen dürfen nicht im „edlen  Schweigen“ verharren. Dann würden wir die gleichen Fehler anderer wiederholen, die der weltweiten Gewalt ihrer verblendeten Mitglieder bisher nur zögerlich mit lauwarmen Alibi-Erklärungen entgegen getreten sind. Egal, ob es sich dabei um Gewalt durch fundamentalistische Sektierer handelt, oder um die strukturelle Gewalt von privaten und staatlichen Institutionen und, oder um die von „heiligen Büchern“ abgeleitete Gewalt gegen „Anders- oder Ungläubige“.

 

Die buddhistischen Organisationen Europas dürfen nicht zögern, diese Dinge beim Namen zu nennen. Treten wir verblendeten „Mönchen“, die sich der Gewalt verschrieben und damit den Boden der Buddha-Lehre verlassen haben, mit Nachdruck öffentlich entgegen! Treten wir ebenso  diffamierenden Verkürzungen und Verdrehungen entgegen, wie z.B. „Buddhisten jagen Muslime!“, die das Klima zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen in Europa vergiften können.

 

Schweigen wir, könnte man uns mit Recht vorwerfen, dem Prinzip anzuhängen, dass „nicht sein kann, was nicht sein darf“, wie es von Anderen Jahrzehnte lang praktiziert wurde. Wir möchten uns nicht dem Vorwurf aussetzen, Missstände in den eigenen Reihen unter den Teppich zu kehren.

 

·        Beziehen wir eindeutig und konkret Stellung auf unseren Websites!

·        Machen wir bei jeder sich bietenden Gelegenheit Buddhistinnen und Buddhisten in Asien klar, wie entschieden wir einen derartigen Missbrauch des Buddhismus ablehnen!

·        Auch wenn der Buddhismus kaum hierarchische Strukturen kennt, sind die Ältesten und obersten Mönchsräte insbesondere in Sri Lanka und Burma dringend aufgefordert derartigen Missbrauch öffentlich zu verurteilen!

 

Wir haben dringenden Handlungsbedarf!

 

Der Vorstand der BGS

 

 

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Webmaster 2013-06-10

 

 

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