WOCHENZEITUNG DER ERZDIÖZESE SALZBURG
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„Ein spiritueller Weg, der auch fordert“

 

 

Immer wieder hat Kurt Krammer Schulklassen
zu Besuch – im Bild Schüler des Christian-Doppler-
Gymnasiums – die sich aus erster Hand über den
Buddhismus informieren.

Buddhismus. „Eine Religion verbreitet sich, weil sie in der Lage ist zu begeistern und die Herzen der Menschen höher schlagen lässt“, so Kurt Krammer auf die Frage warum der Buddhismus heute weltweit anzutreffen ist. 

SALZBURG.
Es gehe nicht darum nur etwas zu befolgen oder um ein bloßes Nachlaufen. Der Buddhismus sei ein Weg des Einlassens, der etwas fordert, „wenn ich mich in meiner Vielfalt erleben will“. Kurt Krammer selber ist seit 25 Jahren auf diesem spirituellen Weg. Er ist Lehrer für buddhistische Religion sowie Fachinspektor, gehört zum Leitungsteam der Buddhistischen Gemeinschaft Salzburg und ist Österreich-Repräsentant bei der Europäischen Buddhistischen Union.

Verschiedene Gruppen unter einem Dach

Die Buddhistische Gemeinschaft Salzburg ist seit 1977 aktiv. Im Jahr 1998 wurde das Buddhistische Zentrum Salzburg in der Lehenerstraße eingeweiht. Hierher kommen Leute um zu meditieren, Vorträge zu hören, oder interreligiöse Gespräche zu führen. „Wobei wir eine offene Praxisgemeinschaft sind und zum Beispiel Lehrer verschiedener Traditionen einladen.“ Daneben gibt es in der Stadt noch zwei Tibetisch-Buddhistische Zentren. „In Salzburg sind es rund 1.000 Menschen die sich als Buddhisten bezeichnen“, schätzt Krammer.
Ins Zentrum im Salzburger Stadtteil Lehen, wo der ehemalige Englischprofessor die Zen-Gruppe leitet, finden aber auch immer wieder Suchende, denen „die Esoteriksuppe“ zu dünn ist. „Entweder steigen sie dann intensiv in den Buddhismus ein oder sind nach einer gewissen Zeit wieder weg.“ Bei Menschen mit Glaubenszweifeln könne es vorkommen, dass jemand durch Meditation mit sich ins Reine kommt und nach einem Jahr sagt: Ich habe wieder zu meinen christlichen Wurzeln zurückgefunden. „Das ist dann eine echte Mitfreude bei uns.“     

Dialog setzt die eigene Identität voraus

In Asien ist das Geben etwas Selbstverständliches. „Unsere Räume spiegeln die Spendenbereitschaft hier wider“, erklärt Krammer mit einem Augenzwinkern. „Aber wir halten uns über Wasser.“ Schwierig für die Minderheitsreligion sei es sich im Feld des Religionsunterrichts zu behaupten. Die Situation der Aus- und Fortbildung buddhis-tischer Religionslehrer ist derzeit rechtlich und strukturell ungeklärt. „Wobei gerade sie es sind, die den interreligiösen Dialog tragen.“ Für ihn seien diese Begegnungen und der kritische Meinungsaustausch wertvolle Erfahrungen und darüber hinaus ein „Vehikel die eigene Religion besser zu verstehen“.   

Ingrid Burgstaller
 


Hintergrund

Die Österreichische Buddhis-tische Religionsgemeinschaft (ÖBR) ist die Dachorganisation der meisten in Österreich aktiven buddhistischen Gruppen.
Seit 1983 ist der Buddhismus eine staatlich anerkannte Religion. Damit nimmt Österreich in Europa eine Vorreiterrolle ein.
Weltweit leben mehr als 500 Millionen Buddhisten, die meisten in Südostasien. In Österreich sind es 25.000 bis 30.000  „dem Buddhismus ernsthaft Nahestehende“.
Heute gibt es in allen Bundesländern Initiativen und Gruppen aller größeren buddhistischen Traditionen. Informationen auf der ÖBR-Homepage unter www.buddhismus-austria.at.



Buddha bedeutet der „Erwachte“.


 

Volles Entfalten

Anders als in Judentum, Christentum und Islam gibt es im Buddhismus keine Gottesvorstellungen.
Der Buddhismus geht auf Siddhartha Gautama zurück, der vor 2.500 Jahren im heutigen Nepal geboren wurde. Durch einschneidende Erlebnisse und  nach Jahren der Entsagung wurde er zum Buddha, zum „Erwachten“. Nach dem Tod Buddhas gaben Mönche seine Lehren weiter. Der Buddhismus hat sich in vielen Gesellschaften den kulturellen Bedingungen angepasst. Die Vier Edlen Wahrheiten bilden die Basis aller buddhistischen Schulen. Im Laufe der Jahrhunderte bildeten sich drei Hauptströmungen heraus: die Lehre der Älteren (Theravada), das Große Fahrzeug (Mahayana) und das Diamantfahrzeug (Vajrayana). Aber alle Traditionen streben ein Ziel an: das Entfalten der inneren Fähigkeiten, das Entwickeln von Liebe und Mitgefühl, das Erlangen von Geistesruhe und Erkenntnis und letztendlich das Verwirklichen der Buddhaschaft.



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