Sariputta, der Mönch zur Rechten des Buddha.
I. Vorbemerkungen:
Karl Jaspers (1) schreibt: „Von menschlicher Größe.“
Menschen in ihrer Größe werden jederzeit gesehen als Bild und Mythos und fanden Gefolgschaft.
Der große Mensch ist wie ein Widerschein des ganzen Seins, unendlich deutbar. Seine Erscheinung in der Welt ist zugleich Durchbruch durch die Welt – als Vollendung… als rätselvolle Ruhe in der aus dem Grunde beseelten unaufhaltsamen Bewegung seines Lebens, das zur Sprache der Transzendenz wird. Größe ist nicht messbar (Leistung, Nutzen). Nur was sich auf das Ganze unseres Daseins, auf das Weltganze, auf die Transzendenz bezieht, kann Größe gewinnen. Größe ist ein Allgemeines in der Unersetzlichkeit einer geschichtlich einzigen Gestalt. Das Allgemeine, das in geschichtlicher Gestalt wirklich geworden ist bewahrt den Grund in der wunderbaren Unendlichkeit des Wirklichseins.
Was ein anderer hätte leisten können,
ist nicht groß. Was sich identisch übernehmen, lernen und noch einmal tun lässt,
wenn es auch einer zuerst getan haben muss, verleiht nicht Größe. Die
Unersetzlichkeit allein hat Größe.
Größe liegt in dieser Unersetzlichkeit erst, wenn sie mit ihrer Einmaligkeit
Wahrheit für alle wird. Größe setzt voraus, dass ein Allgemeingültiges
geschichtlich persönliche Gestalt annimmt. Größe ist da, wo wir in Ehrfurcht und
Hellsicht spüren, wodurch wir selber besser werden. Von den großen Menschen geht
die Kraft aus, die uns wachsen lässt durch unsere eigene Freiheit, sie erfüllen
uns mit der Welt des Unsichtbaren deren erscheinende Gestalten durch sie
entdeckt, deren Sprache durch sie hörbar wird.
Was ich groß sehe, offenbart mir, was ich bin. Wie ich Größe sehe und mit ihr
umgehe, dadurch komme ich zu mir selbst. Die Möglichkeit des eigenen Wesens ist
das Mittel für die Wahrnehmung der Größe. Ehrfurcht vor dem Großen schließt ein
die Achtung vor jedem Menschen. Nur wer den Menschen achtet, ist fähig, in der
heutigen Welt leibhaftig die Größe zu sehen. Die gegenwärtigen in Liebe und
Ehrfurcht erblickten Menschen geben das Maß für die Schätzung des Menschen
überhaupt und seine Möglichkeiten. Größe sehen wir nicht mehr, wenn wir sie nur
forschend untersuchen. Die Denkweisen der Psychologie und Soziologie machen
blind für Größe. Denn: Erst das Dasein der Großen ist wie eine Garantie gegen
das Nichts. Sie zu sehen ist an sich große Befriedigung. Ehrfurcht vor der Größe
ist nicht Menschenvergötterung. Jeder Mensch, auch der kostbarste, seltenste
bleibt Mensch. Er ist von unserer eigenen Art. Nicht Kult ist ihm angemessen,
sondern das Sehen seiner Wirklichkeit. Nicht in der Mystifizierung ist das Große
zu bewahren sondern im Erblicken der gesamten Realität des großen Menschen.
Es ist wichtig, die Menschenvergötterung durch Vernunft zu tilgen zugunsten der Ehrfurcht für menschliche Größe. Die Großen haben nie die Vergötterung sich selbst gegenüber geduldet, auch nicht Jesus. Die wahrhaft großen Menschen haben jederzeit, trotz Distanz ihr Verhältnis zu anderen Menschen auf derselben gemeinsamen Ebene des bloßen Menschseins stattfinden lassen. Der große Mensch bleibt Mensch. Seine Größe erweckt, was ihm ähnlich, in jedem anderen sein kann. Der Unersetzlichkeit der in der Welt geltenden Größe entspricht die Unersetzlichkeit jeder Menschenseele, die unsichtbar im Verborgenen bleibt. Wer Größe sieht, erfährt den Ausspruch, er selbst zu sein.“
Für die Nachfolger solcher Größe, die
auf einem Bodhisattva – Weg (oder anderer Art „Helfen“) zu sein meinen, ist eine
kritische Hinterfragung ihrer Motive sehr wichtig. Thaddeus Golas (2)meint
hierzu: „Alle die anderen erlauben, sie als geistigen Führer zu behandeln haben
die Verantwortung, sich selbst zu fragen: Weshalb betone ich von allen
Wahrnehmungen, die im Universum möglich sind, ausgerechnet die Unwissenheit
meiner Mitmenschen? Was habe ich in einer Rolle zu suchen in der dieses wirklich
ist? Was für Maßstäbe stelle ich auf, dass an ihnen gemessen so viele Mensche in
einer Not zu sein scheinen, während ich der „Erleuchtete“ bin?
Größe lebt eben nur aus und in der Beziehung des Großen zu seinen Mitmenschen.
Wie es Gautama ergangen ist erzählt das Sutra M 26.
„Auf dem Wege vom Bodhi – Baum nach Gaya erblickt mich ein Asket namens Upaka und sprach zu mir: In heiterer Ruhe strahlen deine Züge, Bruder rein und klar ist dein Antlitz. In wessen Namen bist du in die Hauslosigkeit gezogen, wer ist dein Meister, zu wessen Lehren bekennst du dich?
Buddha: Selbst ward ich wissend wen sollte ich nennen. Niemand ist mein Lehrer. Niemand kommt mir gleich.
Upaka: So erkennst du dich als Heiligen so bist du der Allbesieger?
Buddha: Sieger gleich mir ist wer aller Leidenschaft Ende erreicht hat. Ich hab das Böse ganz überwunden. So bin ich Sieger.
Upaka: Mag sein, Bruder! Schüttelte den Kopf und schlug einen anderen Weg ein. Nun ging ich weiter nach Isipatana wo die fünf früheren Weggefährten weilten.“ Dort sagt der Buddha dann: „Wie ich lehre, so tuet und ihr werdet bald jenes höchste Ziel noch in diesem Leben selbst erreichen.“ So geschah es auch, Kondanna war der Erste, die anderen folgten ihm nach, der Orden, der Sangha war in seinem Kern gegründet.
So ist es eben: Nicht jeder, dem Größe begegnet, ist fähig oder bereit sich in der Richtung zu verändern, die von der Größe vorgegeben ist.
Die Besonderheit der Großen wird auch in
den Sutren immer wieder betont, E. B. in A I/22 (5) „Ein Wesen gibt es, das in
der Welt erscheint, ohne einen Zweiten, ohne Gefährten, ohne einen der ihm
ähnlich ist, ohne seinesgleichen, ohne Nebenbuhler ohne einem ebenbürtigen, ganz
unvergleichbar. Welches eine Wesen? Der Vollendete, Heilige, vollkommen
Erwachte.
Die Nachfolger werden nach unterschiedlichen Kriterien hierarchisch gegliedert.
An die Spitze stellt der Buddha Sariputta. In A I/23 (5) steht: „Keinen anderen
Menschen kenne ich, der das vom Vollendeten in Bewegung gesetzte Rad der Lehre
so trefflich in Bewegung hält wie Sariputta. Die ganze Hierarchie wird u. a.
dargestellt in A I/24 (5) „Die Spitzen der Jüngerschaft“.
Die Spitzen der Jüngerschaft erhielten ihren Rang, der ihre besondere Begabung zum Ausdruck bringt aus vier Gründen:
1) Aufgrund eines bestimmten Anlasses
2) Aufgrund ihrer „Herkunft“ (Gelübde aus früheren Existenzen)
3) Wegen ihrer langen Betätigung auf bestimmten Gebieten
4) Aufgrund ihrer außergewöhnlichen Befähigung oder Bewährung darin. (Manche auch aus allen vier Gründen)
I.
II. Einige
Beispiele:
Mönche:
an der Spitze meiner an Ordensjahren ältesten Mönchen steht Kondanna
an der Spitze der Weisheitsmönche der weisheitsmächtigen Sariputta. Der „Marshall der Lehre“.
an der Spitze der Magiegewaltigen Maha-Mogallana
an der Spitze der Lehre der Asketenübung Maha Kasyapa
Dann folgt eine lange Reihe von Waldeinsiedlern, Streitlosen, Übungseifrigen, Rednern u.s.f.
an der Spitze der Wissensstarken, Gedächtnisstarken, geistig regen und abwartenden Menschen steht Ananda.
Darauf folgt eine lange hierarchische Reihe von Nonnen, Laienanhängern und Laienjüngerinnen.
Im Anhang II des Einer – Buches der
Anguttara-Nikaya finden sich zahlreiche detaillierte Beschreibungen von Mönchen
und Laienjüngern.
Das Prinzip der Meister – Jünger – Beziehung bleibt immer aufrecht. Der Buddha
hat den Pfad gefunden und verfügt über eine Vielfalt von Kenntnissen über die
seine Schüler nicht verfügen.
Die Schüler halten sich an seine
Weisungen – denn nur die hingebungsvolle Praxis ist es, die den Lehrer
wahrhaftig ehrt.
Prinzipiell werden 2 Typen von Jüngern unterschieden: Die Gewöhnlichen, die
Zuflucht genommen haben, die Regeln der Praxis beachten aber die „Fesseln“ (der
Emotionen und falschen Ansichten) noch nicht abgelegt haben.
Die 2. Gruppe sind die edlen Jünger: Sie haben die weltliche Ebene verlassen und
sind im Stadium der Unumkehrbarkeit ihrer spirituellen Entwicklung angelangt.
Nur ganz wenige können aufgrund ihres Karma alle Fesseln in einem plötzlichen
Schritt überwinden.
Aus dem 4-fachen Sangha (Mönche, Nonnen, Laienjünger und Laienjüngerinnen) wählt
der Buddha einige besondere Schüler als die besten Vertreter eines
Spezialgebietes aus. Zwei von ihnen werden als Hauptjünger ausgesucht. Sie
teilen mit dem Buddha die Verantwortung für die Unterweisung und die Verwaltung
des ganzen Sangha. Der eine glänzt durch Weisheit (Sariputta) Der andere durch
besondere (magische) psychische Kräfte (Mogallana). Ein dritter ist der
persönliche Diener (Ananda) der sich aber auch durch sein phänomenales
Gedächtnis auszeichnet.
Die ganze Hierarchie ist im Ursprung eine von Buddha selbst geschaffene Ordnung.
Er weiß um die Verdienste, Wünsche und Gelübde die seine Schüler in früheren
Leben getan hatten. So wird gesagt, fast alles, was wir sind und was wir als
Bestimmung unseres Lebens ernten, spiegelt die Summe vergangener Erfahrungen
unserer samsarischen Existenz. Diese wird in Erzählungen, „Jatakas“, spezifische
Legenden über frühere Leben des Buddha und seiner Jünger) geschildert.
Es geht hier weniger um historische
Daten als um erzählerische Gestaltung von
Prinzipien, die viel einprägsamer und symbolisch eindringlicher sind als eine
trockene rationale Darstellung. Es sind volkstümliche religiöse Vers- oder
Prosaerzählungen, welche die Vorleben schildern; Sie sind tendenziös belehrende,
erbaulich-mythische Schilderungen die auch einen unterhaltenden Wert haben. Sie
haben einen mythologischen Charakter, der Aussagen über Existenz und Geschichte
von Mensch und Welt macht. Tatsachen werden in Archetypen und Archetypen in
spirituelle Ideale umgewandelt. Der Beginn der Entwicklung der Buddhas und ihre
Schüler liegt hunderttausend Weltalter zurück….
Entscheidend für die Nachfolger ist der intensive Wunsch, naher Schüler des
Buddha zu werden.
So wird das Bild des Sariputta in den Jatakas gezeichnet:
Seine Beziehung zum Buddha (in den Legenden) variiert von Existenz zu Existenz,
da ja abwechselnd alle Existenzbereiche durchschritten werden. Die Rollen der
historisch bekannten Personen (Buddha, Sariputta, Mogallana, Ananda, Devadatta,
Anuruddha. u.a.) werden auf Tiere, Menschen aber auch Gottheiten übertragen. Der
Buddha fungiert als Lehrer (der weise Hase, das kluge Rebhuhn u.a.) Es kommt
aber auch vor, dass die Jünger (in den Legenden) den Buddha retten (der Hirsch,
der von einem Vogel und einer Schildkröte gerettet wird).
Devadatta bleibt, in welcher Verkleidung auch immer, der Bösewicht.
Sariputta ist immer der gütige Weise, Mogallanda hingegen kann in
zornig-leidenschaftliches Verhalten verfallen und Schrecken verbreiten.
Gelegentlich werden die spirituellen Helden auch in göttlichen Gestalten
wiedergeboren. Am häufigsten treten aber alle in Menschengestalt auf – der
Buddha ist der Held, Sariputta sein Schüler, sein Freund oder sein Gönner. Die
Rollen bleiben im Prinzip unverändert. Wesentlich in allen Legenden ist, dass
alle von den Wünschen und Gelübden geleitet sind, die sie in fernster
Vergangenheit ausgesprochen hatten.
Im Mahapadanna – Sutta, D 14 (6) wie auch in SN 47/14 (7) spricht Buddha von dem Hauptjünger der allen Buddha aller Zeiten zur Seite steht. Damit wird gesagt, dass der Buddha nicht nach seinen Gutdünken handelt, sondern ein zeitloses Muster bestätigt.
Die Ernennung zum Hauptjünger bringt keine Privilegien, aber große Verantwortung.
Sie haben drei Aufgabengebiete:
1. Sie helfen dem Buddha bei der Festigung der Lehre.
2. Sie machen die Lehre zu einem Werkzeug der spirituellen Transformation.
3. Sie sind Vorbild für die anderen Mönche und überwachen deren Fortschritte. Außerdem helfen sie bei der Verwaltung des Sangha. Diese hat wohl demokratische Prinzipien und eine „meritokratische“ Ordnung (Status je nach Verdienst – real bleibt die Autokratie des Buddha bestehen, er ist der „oberste Wagenlenker“.
Der Buddha empfiehlt seinen Mönchen, dass sie so werden sollten wie Sariputta und Mogallana, z.B. in A I 131.
Ihre Eigenschaft schildert er in M 141 „haltet euch an Sariputta und Mogallana. Sie helfen den Strebsamen, wie ein Geburtshelfer ist Mogallana. Sariputta führt zur Frucht des Stromeintritts, Mogallana schließlich zum höchsten Ziel. Sariputta versorgt gewissermaßen den Kindergarten, Mogallana die „jugendlichen Adoleszenten auf dem spirituellen Pfad.
Sariputta umsorgt die Schüler in spiritueller und materieller Hinsicht (macht Ordnung, pflegt Kranke u. a.) haben sie den Stromeintritt erlangt, vertraut er ihrer eigenen Kraft und widmet sich neuen Schülern. Mogallana leitet sie aber bis zur höchsten Arhatschaft.
Sariputta war unendlich geduldig und in einzelnen Fällen leitet er Mönche bis zur Arhatschaft.
Ist der Buddha abwesend, haben Sariputta und Mogallana die Leitung übernommen.
In M 67, der Catuna – Sutta, welche die Gefahren, die dem Neuling in der Lehre begegnen können steht: Es ist so, dass entweder ich (Buddha) oder Sariputta und Mogallana sich um die Gemeinschaft der Mönche kümmern sollen.
Als Sariputta den Buddha auffordert, Mönchsregeln aufzustellen, weigert sich der Buddha zunächst: „Erst wenn im Sangha die ersten Anzeichen zum Schlechten zu erkennen sind.“
Was Sariputta auszeichnete, war sein wirkliches Interesse für andere. Er ermahnt und lobt, er ist Lehrer und Freund, er versteht es, latente Tugenden zu wecken. Seine Sorge um Kranke und Sterbende werden in M 97, M 143 und M 144 geschildert.
Besonders ausgeprägt sind bei ihm die Tugenden der Geduld und Nachsicht. Er empfindet keine Spur von Ärger, selbst wenn ihn Menschen beschimpfen oder gar schlagen. Als ihn einmal ein Brahmane schlug, wollten andere, die das gesehen hatten, den Brahmanen töten. Sariputta sagte bloß: Hat er Euch oder hat er mich geschlagen? Ich habe ihm sogleich verziehen, geht eurer Wege! Auch seine Bescheidenheit war groß: Wenn mich jemand etwas lehren sollte, so nehme ich es mit gesenktem Haupte an. Sariputta verehrt den Mönch Assaji (einer der frühen Gefährten des Buddha) sehr. Um das zu verstehen, sind einige Daten über den Weg von Sariputta und Mogallana notwendig.
Die Brahmanin Rupasari in Upatissa und die Brahmanin Mogalli in Kolita, die befreundet waren kamen zur gleichen Zeit nieder. Die Kinder wurden ursprünglich Upassina (später Sariputta) und Kolita (später Mogallana) genannt. Beide wurden im Wissen ihrer Zeit unterrichtet, beide hatten ein großes Gefolge um sich. Bei einem großen Fest „sahen“ die beiden das Gespenst der menschlichen Sterblichkeit. Sie suchten einen spirituellen Lehrer, der ihnen einen Weg zur Erlösung zeigen konnte. Sie kamen zum Paribayjaka Sanjaya und erfassten seine Lehre rasch.
Eines Tages trifft Upatissa einen Mönch, dessen Haltung ihm auffällt. Er fragt ihn nach seinem Lehrern und dessen Lehre. Assaji gibt ihm die bekannte Kurzfassung der Lehre:
Von den bedingt entstandenen Dingen kennt der Tathagata die Ursache, und auch wie sie aufhören.
Das ist die Lehre des großen Eremiten.
Schon am Ende der letzten Zeile dieser Gatha erreicht Upatissa den Stromeintritt. Kolita erkennt sofort die Veränderung seines Freundes, beide wollen zum Buddha gehen. Zuerst gehen sie zu Sanjaya, dieser weigert sich aber, noch einmal Schüler zu werden. Er sagt: Die Weisen werden zum Eremiten Gotama gehen, die Dummen werden zu mir kommen, dem Dummen.
Als der Buddha die beiden kommen sah, sagte er, diese hier werden meine Hauptschüler werden. Upatissa bekam den Namen Sariputta, Kolita wurde Mahamogallana genannt. Beide wurden in kurzer zeit nach anhören von Lehrreden erleuchtet. Sariputta war Assajin für seine kurze, transformierende Belehrung sein Leben lang dankbar und verbeugte sich tief in der Richtung, in der Assajin gerade weilte. Sariputtas Sinn für Dankbarkeit war groß, er nahm gerne Belehrung auf und hatte auch viele Schüler. Seine Ergebenheit Assajin gegenüber ist im Dhp. 392 festgehalten „Durch den du das Gesetz erfuhrest das der Erleuchtete gelehrt. Den mögest in Demut du verehren wie´s Feueropfer die Brahmanen.“
Die Unerschütterlichkeit Sariputtas wird in Dhp. 95 gepriesen:
„Der Erde gleich, wer nie sich widersetzt, der Indra – Säule gleich, fest in der Pflicht wie tiefer See, von allem Schlamm befreit. Für einen solchen gibt´s kein Wandern mehr.“
Ob ihm Verehrung wird oder nicht – Sariputta bleibt gleichmütig.
Sariputta hatte immer viele Freunde, hatte auch „große Liebe zu Anandas Tugenden.
In M 32 im Maha – Gosinga – Sutta in dem die Wesenseigenschaften bedeutender Mönche beschrieben werden, sagt da Buddha: Sariputta beherrscht seine Gedanken und wird nicht von seinen Gedanken beherrscht, er kann zu jeder Tageszeit die Meditationsstufe erreichen, die er gerade erreichen will.
In M 24 wird die Gelehrsamkeit Sariputtas hervorgehoben, man sagt: „Es ist erstaunlich, ein wie gelehrter Jünger du bist, es ist eine hohe Auszeichnung, dich zu sehen und mit dir zu verkehren.
Sariputta war das Ideal eines guten Freundes, was in A III 128 bezeugt wird: Er hat immer ehrliche Kritik geübt.
Trotz seiner hervorragenden Position war Sariputta nie herrschsüchtig und wollte niemandem seine Meinung aufdrücken. Immer wieder wird seine Naturverbundenheit betont. Er war auch für Schönheit sehr empfänglich.
Es werden viele Gespräche mit anderen Mönchen überliefert, vielen war er Inspiration zum Abhalten eigener Lehrreden. (z.B. Punna, der das Rathavinita – Sutta, das Gleichnis vom Wagenlenker, M 24 (4) hielt. In sieben einander ablösenden Reisewagen kommt der König Pasenadi an sein Ziel:
Sittenreinheit, reines Denken, reine Einsicht, Zweifelüberwindung, Finden des rechten Weges, rechte Achtsamkeit, Erlösung.)
Alle sechs Geschwister des Sariputta traten in den Orden ein und erreichten die Heiligkeit. Nur seine Mutter blieb Brahmanin und beschimpfte den Orden, was Sariputta geduldig ertrug.
Seine Neigungen führten ihn nicht ausschließlich auf den Weg der Meditation sondern eher über den philosophischen Diskurs und intellektuelle Analysen zur direkten spontanen Einsicht in die Bedingtheit aller Phänomene und in das unbedingte Element jenseits von Ursache und Wirkung.
Sein Weg zur Arhatschaft wird in M 111 beschrieben. Der Buddha sagt hier über Sariputta, „er ist weise, besitzt umfassende Weisheit, freudebereitende Weisheit, schnellauffassende und scharfsichtige Weisheit. Er hat tiefe Einsicht in verschiedene Zustände (jhanas) in einen nach dem anderen. Ferner sagt Buddha: Wenn man mit recht von irgend jemand sagen sollte, er ist der Sohn des Erhabenen, von seiner Brust geboren, vom Dhamma geboren, ein Erbe im Dhamma, nicht in materiellen Gütern, so ist Sariputta derjenige, von dem man es sagen sollte. Sariputtas hat nie nach übernatürlichen Arten des Wissens gestrebt, oder nach paranormalen Kräften, darin war Mogallana Meister. Er verfügte aber über die Kraft des ‚Eingreifens durch Konzentration’. Damit war er imstande physiologische Prozesse zu beeinflussen (Wahrnehmung von Sinnesreizen fast gänzlich aufzuheben.) Nach Erlangen der Arhatschaft war Meditation zu einem natürlichen Ausdruck dessen geworden, was er erreicht hatte. Er erlangte einen Zustand in dem die einzige Wahrnehmung „Nibbana ist das Aufhören des Werdens“ genannt werden kann, was identisch ist mit dem „Verweilen in der Leere. (sunyata – vihara), was in Pindapata – parisuddhi – Sutta, M 151 geschildert wird:
Buddha: „In welchem Zustand verweilst du?“
Sariputta: „Ich verweile jetzt oft in der Leerheit.“
Buddha: „So verweilst du oft im Zustand eines großen Mannes, nämlich der Leerheit.“
Buddha erläutert, dass man in diesen Zustand kommen kann, wenn man sich auf den Aspekt der Leerheit des Nibbana konzentriert.
Den Qualitäten Sariputtas in der Versenkung steht seine Fähigkeit der exakten Analyse gegenüber.
Er beherrscht vollkommen das Gebiet der vier Weisheiten, patisambhidanana:
1) Besondere Einsicht in die Bedeutung der Lehre (bedingtes Entstehen, Nibbana, die Wortbedeutung und Karma)
2) Nachdenken über: jede ein Ergebnis erzeugende Ursache, den edlen achtsamen Pfad, das gesprochene Wort. Karmisch heilsames und unheilsames und das analytische Wissen vom Dharma.
3) Die Wirklichkeitsgemäße Sprache (Grammatik, Etymologie).
4) „Erkenntnis der Erkenntnis“ – das analytische Wissen über die Erkenntnis, die in 1-3 gewonnen wurde.
Sariputtas Lehrgespräche und die ihm zugeschriebenen Bücher bilden ein umfassendes Lehrgebäude. Der Hörer (Leser) fühlt sich geistig angeregt durch die klare Gliederung, Übersichtlichkeit und die darin gelegene Anregung zur Praxis.
Es seien als Beispiel zwei bekannte Sutten kurz erwähnt:
M 9 rechte Einsicht (samma dhitti). Wenn ein Jünger erkennt, was unheilsam ist, was die Wurzel des Unheilsamen ist (ebenso das Heilsame betreffend) dann hat er die rechte Einsicht.
Die Wurzeln des Unheilsamen ist Gier, Hass und Verblendung, die des Heilsamen die silas (Tugenden).
Sariputta gibt die Triebe als Ursache der Unwissenheit an. Da aber Unwissenheit selbst ein Trieb ist, kurbelt der Kreislauf sich selbst immer wieder an - solange die Unwissenheit nicht beseitigt ist – also rechte Einsicht auf der überweltlichen Ebene erreicht wurde.
M 28 Die Elefantenspur.
- die edlen vier Wahrheiten umfassen alles, was heilsam ist. Alle Erfahrung ist in die fünf Skhandhas auflösbar. Das Sutta gibt eine klare Darstellung des bedingten Entstehens des Bewusstseins durch die fünf Sinne, dann eine Darstellung des Paticcasamupada (Kreis des bedingten Entstehens). Erst die Überwindung des Begehrens, der Neigungen und des Anhaftens führt zur Beendigung des Leidens. Abschließend wird hier eine genaue Darlegung der vier heiligen Wahrheiten gegeben.
Sariputta hat auch ein umfangreiches Kommentarwerk hinterlassen und hat Wesentliches für die Kodifizierung des Abhidamma geleistet.
In A V 132 sagt der Buddha: „Sariputta, ihr Mönche, weiß was heilsam ist. Er kennt das richtige Maß, kennt die richtige Zeit und kennt die Versammlung der Mönche.
Als Sariputta sein Ende nahen fühlte hatte er den Wunsch in dem Raum sein endgültiges Nibbana zu erreichen, in dem er geboren wurde. Er dachte dabei auch an seine Mutter, die sieben Söhne hatte, die alle Arahants geworden waren. Er hält noch eine abschließende Lehrrede an die Mönche, fragt den Buddha, ob er ihn jemals gekränkt hatte, was dieser verneint. In Erinnerung an viele Begegnungen (in früheren Leben) nimmt er Abschied vom Buddha und macht sich auf den Weg in seinen Geburtsort, Nalaka. In Nalaka angekommen, bittet er seine Mutter, ihm seine Unterkunft herzurichten. Er leidet an schwerer Ruhr und hat große Schmerzen. Sariputta erläutert seiner Mutter die Lehre Buddhas, und als er damit endete, hat seine Mutter den Stromeintritt erreicht. Sariputta ruft dann seine Mönche zu sich und fragt auch diese, ob er ihnen jemals etwas Negatives angetan hätte. Diese verneinen. Sariputta geht nun in tiefe Versenkung und geht ins Parinibbana. Seine Mutter klagt, dass sie ein Leben lang den Dharma versäumt hatte und bereitete eine große Zeremonie vor. Nach der Verbrennung nimmt der Mönch Cunda die Reliquien und bringt sie zu Buddha, der in Savatti im Jettavana – Kloster weilt. Der Buddha tröstet den Klagenden Ananda und meint: „Es ist, als ob von einem großen Baum ein Ast abgebrochen wäre.“ Im hier erwähnten Cunda – Sutta, SN 47, 13 folgt dann eine Lobpreisung Sariputtas durch den Buddha. In zahllosen Geburten war Sariputta der Bruder, der Vater, Gottvater, Enkel und Freund des Buddha.
Hier nun gelangt der Kreislauf der Wiedergeburten durch den sie miteinander verknüpft waren zu einem Ende.
Die Zeit, nur eine Aneinanderknüpfung flüchtiger Ereignisse wurde für sie zum Zeitlosen und der Geburtenkreislauf machte dem Zeitlosen Platz.
Zusammenfassung und Ausblick
Karl Jaspers präzisiert, was den großen Menschen ausmacht: die unwiederholbare, unnachahmliche Einmaligkeit, die Unersetzlichkeit, das Hinführen zur Trnaszendenz und simultan zum Grund eines jeden einzelnen Menschen. Keiner der Großen war mit seiner Vergottung einverstanden; trotz der bestehenden Distanz blieben sie auf einer Ebene, der des menschseins. Die Vollendung ihrer Einsicht, der Umfang ihrfer Weisheit ist von Nachfolgern nur partiell nach vollziehbar. So ist aucdh Siddhartha Gautama nach seiner welterklärenden Erleuchtung Buddha „ohne Seinedsgleichen, ohne Nebenbuhler, ohne einen Ebenbürtigen.“ So bi9lden die Nchfolger gewissermaßen einen Fächer in welchem sich die Urkraft des ersten unnachahmlichen in zahlreiche Fähigkeiten, spezifische Kenntisse usf. hierarchisch aufgliedert. Sariputta ist dedr Nachfolger, der zur Rechten des Meisters steht: er ist der Weise, der die Lehre am besten darzustellen weiß, der in der Lage ist aus einem kurzen Satz des Buddha eine lange Lehrrede zu extgrapolieren. Er und Mahamogallana sind die Hauptjünger. Die legendären, mythologisch aufgebauten Geschichten, über die die Gegenwart begründenden Vorleben (Jatakas) lassen die historisch gegenwärtigen Personen in unterschiedlichen Gestalten aber identischen Rollen auftreten. Sariputta ist, wie auch in der Gegenwart immer wieder der gütige Weise, er umsorgt die Schüler in materieller wie spiritueller Hinsicht, macht Ordnung im Vihara, pflegt Krfanke und ist unendlich geduldig. Er hat tiefes echtes Interesse an den Mitmenschen, er lobt, tadelt, weckt latente Tugenden und Fähigkeiten. Auch für die Begleitung von Stgerbenden ist er immer da. Die ihm zugeschriebenen Bücher ergeben ein umfassendes Lehrgebäude. Sariputta hat n icht die magischen Fähigkeiten Mogallanas, nicht das strenge Asketentum und die Fähigkeit zu organisieren, wie Mahakassyapa, und auch nicht die hingebungsvolle Nähe zum M eister und das enorm e Gedächtnis Anandas, schon gar nicht den Ehrgeiz un die Tendenz, sich über den Meister zhu stellen, wie Devadatta. Das unendlich kraftvolle klere Licht des Meisters bricht sich im Orden, wie in einem Prisma. Unterschiedliche Farben, verschiedene Wellenlängen, unterschiedliche Intensitäten individuiert aber auch typisiert: es wird immer Jünger von der Färbung Sariputtas (die studierenden, philosophisch orientierten Jnana Yogis) Mogallanas (die mit besonderen psychischen Fähigkeiten begabten), Kasyapas (asketisch, strenge Typen), Anandas (hingebungsvoll dienende vertrauensorientierte) aber auch Devadattas (die es immer besser wissen und es besser machen wollen als der Meister).
Jeder von uns nimmt sich bewusst oder unbewusst den einen oder anderen zum Vorbild, je nach intellektueller oder kontemplativer Fähigkeit und Neigung. Im Mahayana wird ie Totalität der Buddhanatur, die unser innerstes Wesen ist in noch in wesentlioch zahlreichere Ausstrahlungen aufgefächert, die individuiert und personifiziert einen ganzen Kosmos historischer und transzendenter Gestaltungen ergeben, die recht besehen jede für sich, zielführender Wegweiser zur Befreiung sit. Erste Ansätze zu dieser Entwicklung sind aber schon durch die Spezifikationen der frühen Jünger und des frühen Sangha gegeben.
Verwendete Literatur:
Karl Jaspers: Die maßgebenden Menschen. Pieper München 1964
Die Lehrreden des Buddha aus der Mittleren Sammlung. Jhana Verlag Uttenbühl 2001. (M)
Die Lehrreden des Buddha aus der Angereihten Sammlung.(Anguttara Nikaya) Aurum Verlag Freiburg i. B.1969. (A)
K.E. Neumann: Die Reden des Buddha, Längere Sammlung (Digha Nikaya) Verlag Beierlein und Steinschulote Herrnschrot 1996.
Nyanatiloka Maqhathera: Dhammapada, Jhnana Verlag Uttenbühl 1999.
Nyanaponika: Sutta Nipata. Verlag Christiani. Konstanz 1977.
Nyanaponika Thera und Hellmut Hecker: Die Jünger Buddhas. O.W. Barth. Bern 1997.