Marpa
Marpa Lotsaw - "Marpa, der Übersetzer" lebte von 1012 bis 1097.
Er war Begründer der Kagyü-Schulrichtung des tibetischen Buddhismus. Er ist einer der großen Übersetzer, die im 11. Jahrhundert die Traditionen der Neuen Übersetzungen (Sarma) begründeten. Er war Schüler von Naropa und Lehre von Milarepa.
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Marpa wurde im Jahre 1012 in Südtibet geboren. Sein Vater sagte ihm große Möglichkeiten für geistige Verwirklichung voraus, sofern er den richtigen Weg wähle. Noch als er ganz jung war, verschrieb sich Marpa der buddhistischen Lehre und nahm den Namen Dharmamati an. Er lernte Sanskrit bei Lama Drogmi von den Sakyapas (Lama Drogmi war Schüler des Verwirklichers Shantipa).
Dann tauschte all seine weltlichen Güter in Gold ein und machte sich in Begleitung eines Freundes auf den Weg nach Indien. Der Weg führte die beiden jungen Männer zunächst nach Nepal, wo sie zwei Schüler Naropas trafen, die sie mit ihrem lebensnahen Wissen beeindruckten. Nach der langen, schwierigen Reise traf Marpa schließich Naropa. Dieser nahm ihn als Schüler an, und Marpa schenkte seinem Lehrer das gesamte Gold.
16 Jahre lang erhielt Marpa von Naropa Übertragungen und Belehrungen. Jnanagarbha im Westen weihte ihn in das Kraftfeld von Guhyasamaya (skt.) ein. Weitere Lehren erhielt Marpa bei Kukuripa im Süden. Dieser erreichte Erleuchtung durch seinen Hund, der eine Ausstrahlung von Liebevolle Augen war. Ein anderer Schüler Naropas, Maitripa, lehrte Marpa das Große Siegel, bis er es vollkommen verwirklicht hatte. Marpa übte die Lehren einige Zeit auf Friedhöfen und kehrte dann nach Tibet zurück.
Viele Jahre brachte er damit zu, die indischen Texte des Diamantweges, ins Tibetische zu übersetzen. In Lhobrag baute Marpa einen Bauernhof und eine Meditationsstelle auf und heiratete Dagmema, die ihm mehrere Söhne gebar. Als Lehrer kannten ihn nur ganz wenige Schüler, welchen er seine ganze Einsicht übertrug. Berühmt wurde er als Übersetzer.
Um weitere Belehrungen nach Tibet zu bringen, unternahm Marpa eine zweite Reise nach Indien. Nach seiner Rückkehr nahm er Milarepa als Schüler an. Dieser musste sich vielen Prüfungen unterziehen, bevor Marpa ihm schließlich die geheimen Belehrungen gewährte. Milarepa fragte ihn einmal nach den streng geheimen Drong-jug-Lehren, einer Übertragungs-Übung, die für das Eintreten in die Körper anderer, zum Beispiel zum Beleben von Leichen, verwendet wurde. Um diese Frage beantworten zu können, wühlte sich Marpa durch all seine Texte, bis er schließlich feststellte, dass er keine genauen Erklärungen für diese Übung hatte. So beschloss er, trotz seines fortgeschrittenen Alters ein weiteres Mal die lange Reise nach Indien anzutreten in der Hoffnung, auch diese Belehrungen erhalten zu können.
Seine Schüler gaben ihm Gold, damit er die Reise bezahlen und einen Teil davon auch Naropa geben konnte. In Indien traf Marpa auf Atisha, der ihm mitteilte, dass Naropa gerade dabei war, die Welt zu verlassen. Als Marpa in Ostindien ankam erschien ihm Naropa jedoch in einer Vision und gab ihm die gewünschten Belehrungen. Daraufhin kehrte Marpa nach Tibet zurück.
Um künftige Entwicklungen zu verstehen, verwendete Marpa Träume und Zeichen. Er war ein strenger Lehrer und für sein aufbrausendes Temperament ebenso bekannt wie für plötzliche Augenblicke großer Freigebigkeit und bester Laune. Seinen vier wichtigsten Schülern übertrug er die geheimen Lehren und hinterließ ihnen zahlreiche besondere Reliquien, die er aus Indien mitgebracht hatte. Marpa begründete die Anfänge der Kagyü-Linie in Tibet und starb im Jahre 1097 im Alter von 86 Jahren.
Marpas wichtigste Schüler:
Jetsün Milarepa aus Gungthang (1052-1135) erhielt von Marpa die Lehren der Inneren Hitze (tib. Tumo).
Ngochu Dorje (Ngodun Chudor) aus Zhung erhielt Belehrungen des Diamantweges.
Tsurtön Wangye aus Dor erhielt die Lehren der Bewusstseins-Übertragung (tib. Phowa).
Metön Tsönpo aus Tsang erhielt die Belehrungen über Klares Licht (tib. Ö Sei).
Bildverzeichnis
Herkunft der verwendeten Bilder:
Statue aus dem Buddh. Zentrum Amden, CH, Foto Manfred Gehrmann
Thanka aus der Pressemappe von Karma Kagyü Österreich
Literatur
Nik Douglas
und Meryl White: Karmapa – König der Verwirklicher, Buddhistischer Verlag,
Wuppertal 2005,
ISBN 3-937160-14-0
Ulla und Detley Göbel: Das Leben Marpas,
erschienen in der Zeitschrift Kagyü Life (Buddhismus Heute)
Khenchen Könchog Gyaltsen Rinpoche: Die grossen Kagyü-Meister,
Otter Verlag, München 2004, ISBN: 3933529115
Weblinks:
http://www.buddhismus-heute.de/content/25_07_marpa.htm
http://www.buddhismus-heute.de/content/26_05_marpa.htm
http://www.buddhismus-heute.de/content/27_03_marpa.htm
http://www.diamondway-teachings.org/content/glossar/glossar-m.html