Freunde im Dharma (Dhamma)
Der Begriff hat seine Wurzel im indogermanischen „dher„was tragen und halten bedeutet. Dher ist auch die Wurzel des Wortes Therapeut, der bereit ist zu tragen und zu halten, wie es die Not erfordert. Im Hinduismus ist Dharma der umfassende Begriff für das, was unser Wesen ausmacht.
Weitere Bedeutungen: Rechtschaffenheit, die Grundlage der menschlichen Moral und
Ethik, die gesetzmäßige Ordnung des Universums und Basis aller Religionen. Für
den einzelnen Menschen ist Dharma engstens mit Karma verknüpft, da jeder von uns
nur soviel vom Dharma verwirklichen kann, als seine karmische Situation es
zulässt.
Dharma (Dhamma) ist sowohl das kosmische Gesetz, die große Ordnung, der unsere
Welt unterliegt, vor allem das Gesetzt der karmisch gesteuerten Wiedergeburt. Es
bedeutet aber auch die Lehre des Buddha, der dieses Gesetz erkannt und
formuliert hat. Die Lehre, als der Dharma, drückt auch die universelle Wahrheit
aus – so gesehen existierte sie schon vor der Geburt des Siddhartha Gautama, der
als Manifestation dieser Wahrheit geboren ist. Nach seinem Fortgang aus der Welt
ist der Dharma die eigentliche Zuflucht geworden. Im Parinibbana Sutta steht
„Darum, Ananda, seid von nun ab euch selbst ein Insel, euch selbst eine
Zuflucht, sucht keine andere Zuflucht. Nehmt die Lehre als Insel, die Liebe als
Zuflucht, nehmt keine andere Zuflucht. Verwirklicher des Dhamma sind Individuen,
die in den Sutren immer als handelnde Personen angesprochen werden und als
solche verantwortlich für die Verwirklichung des Dhamma in der gegenwärtigen
Welt sind. So wie der Dhamma uns hält und trägt, so sind auch wir Träger des
Dhamma und halten ihn als unzerstörbares Leitbild hoch. Die Einsicht in die
totale Verbundenheit alles Seienden realisiert sich für uns am deutlichsten im
sozialen Bereich: Keiner von uns kann wahrhaft eine menschliche Person sein ohne
den anderen. Jeder andere hat in einer großen Zahl von Rollen und
Beziehungsformen Bedeutung für uns (als Mutter, Bruder, Kumpel, Gefährtin,
Genosse und ….) Von zentraler Bedeutung für uns ist der Freund, insbesondere der
Freund im Dharma. Nur in der Gemeinschaft mit Freunden ist das Tragen und
Halten, das der Dharma ist, zu verwirklichen. Im Folgenden sollen einige
Suttenstellen, die dies behandeln zur Sprache kommen.
Zunächst aber einige Überlegungen dazu, was wir als Freundschaft bezeichnen. Freundschaft ist ohne Zweifel die höchste und differenzierteste Form menschlicher Beziehung, die nicht nur aus angeborenen und anerzogenen Verhaltensweisen und Haltungen besteht, sondern eine Entscheidung aus voller Freiheit des Einzelnen. Je höher und feiner die Bildung des Einzelnen, desto tiefgründiger und wirklicher bildet sich eine Verbindung zur eigenen Person wie zur anderen heraus. Schon Cicero widmete dem Thema eine unfangreiche Arbeit mit dem Titel „über die Freundschaft“. Der sich entfaltenden Freundschaft geht eine (bewusste oder unbewusste!) Prüfung seiner selbst und des anderen voraus. Bevor das volle Ausmaß von Selbstvertrauen, Vertrauen dem Anderen gegenüber, wie Offenheit und Vertraulichkeit entstehen, die auf der Grundannahme beruhen, dass in jedem (potentiellen) Freund das apriorisch Gute in uns zum Tragen kommen wird. Der Freund in meinem Herzen sieht nichts im anderen, als dessen mitfühlendes Herz. Wahre Freundschaft ist die Vollendung der menschlichen Natur. Der ideale Zustand wäre: Gehe ich zu den Menschen meiner Umgebung, kann ich sicher sein, dass niemand da ist, den ich nicht lieben könnte und keiner, der mich nicht liebt. Im christlichen Raum ist Jesus der Vermittler. Jede wahre Freundschaft beginnt in Jesus und wird durch ihn vollendet werden. Er nennt seine Jünger Freunde „Denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.“ Auch der Buddha sagt wiederholt, dass nichts in der Faust des Lehrers verborgen bleibt, was für den Weg zur Erleuchtung und Leidbefreiung notwendig ist aus seinem Mitgefühl heraus. Im christlichen Raum ist es der heilige Geist, der uns erinnern will, was unsere Achtlosigkeit alles verheert hat. Der Buddha hat die Achtsamkeit in den Mittelpunkt seiner Lehre gestellt. In jedem Moment unserer Existenz soll sie uns erinnern, wie die Dinge wirklich sind. Gehen wir achtsam mit uns selbst um, mit den Menschen und den geduldigen, stets dienenden Dingen, dann leben wir in Freundschaft mit uns selbst und der Welt, die wir unentwegt neu aufbauen. Martin Buber hat uns mit dem „dialogischen Prinzip“ darauf hingewiesen, dass „das Höchste“ ein Wesen der Beziehung ist: Das „Dazwischen“, das unsichtbar und dennoch unüberhörbar die transzendente Kraft ist, die das Ich zum Du und das Du in mir zum Ich macht. Bei jeder Beziehung ist (das oder) der Dritte zwischen uns von daseinsbestimmender Bedeutung. Gehen wir dieses Dritten durch Erschlaffung, Erschöpfung, Gleichgültigkeit usw. verlustig, geraten wir in den Bereich einer Ich-, Es-Beziehung mit einer Verdinglichung des Du, Verlust der Transzendenz, Wertverlust und materialistischer Verflachung der Welt.
So
gesehen wird Freundschaft zu einer zentralen Metapher für die Beziehung des
Menschen zum Höchsten (siehe Upul 1: http://www2.salzburg-online.at/buddhismus/bzs/upul04'1.htm).
Für den Nachfolger im Dhamma ist dies der Raum der Zuflucht, deren Höchstes,
Absolutes schulenspezifisch unterschiedlich zur Darstellung kommt, aber immer
präsent ist, wenn wir Vertiefung und Achtsamkeit pflegen. Für den Freund sind
Unterschiede etwa, was zu respektieren und zu akzeptieren ist. Wenn es der
Beziehung an Freundschaft mangelt, werden Unterschiede überwertig, und tiefe
Gräben tun sich auf. Wir beginnen, von uns selbst Abgelehntes zu projizieren,
erzeugen Konflikte. Freundschaft als höchster Ausdruck von Mitgefühl und
Toleranz ist in der Lage das Einzelne, Besondere und das Allgemeine zu einer
Ganzheit zu fügen. Nondualität - Coincidentia oppositorum – die
Versöhnung der Gegensätze. Die Wahrheit ist nicht die bloße Richtigkeit von
Ideen, Vorstellungen und Einrichtungen. Wahrheit ohne echte Freundschaft kann zu
einem Gespött dessen werden, was wir als Realität erleben. Freundschaft bedeutet
auch, dass der Ego - Bunker verschwunden ist, Freiheit, herrschaftsfreier
Dialog, ein Gleichgewicht von Reden und Zuhören ist hergestellt. Ebenso das
Gleichgewicht von Geben und Nehmen, von Schenken und Bekommen. Das ist einer der
Grundpfeiler des Friedens zwischen Menschen. So wie nur im Rahmen der
Freundschaft, die Spontaneität und Kreativität voll zu entfalten ist - getragen
auch von Authentizität und Aufrichtigkeit. Wie bedeutsam „Sila“ für die
Freundschaft ist, werden uns einige Sutrenbeispiele zeigen. In der Samyutta
Nikaya (I,78,3,18) sagt König Pasenadi zum Erhabenen: „Wohl verkündet ist
die Lehre, aber nur für den Freund der Guten, für den Gesellen der Guten, nicht
für den Freund der Bösen, nicht für den Gesellen der Bösen.“ Der Erhabene
bestätigt das und erzählt folgende Begebenheit: „Nachdem Ananda sich dort hin
begeben hatte, wo ich mich befand und mich ehrfurchtsvoll begrüßt hatte, setzte
er sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach Ananda dann so: „Die Hälfte
des heiligen Wandels besteht in der Freundschaft der Guten, der Gesellschaft der
Guten, in der Genossenschaft der Guten.
Auf diese Worte hin sprach ich zu dem Bhikkhu – Ananda: „Nicht so, Ananda.“
„Der gesamte heilige Wandel besteht in der Freundschaft der Guten, in der Genossenschaft der Guten. Von einem Bhikkhu, oh Ananda, der ein Freund der Guten ist, ist zu erwarten, dass er einem Freund der Guten, ein Genosse der Guten, den achtgliedrigen Pfad vervollkommnen, den edlen achtgliedrigen Pfad erweitern wird. Da vervollkommne der Bhikkhu die rechte Erkenntnis, den rechten Entschluss, das rechte Wollen (letztlich alle Silas), wenn die Wesen zu mir als dem Freund der Guten kommen, werden sie, die dem Gesetz der Geburt unterworfen sind, von der Geburt (die dem Gesetz des Alters, der Krankheit, des Sterbens, der Schmerzen, des Kummers, Betrübnis und Verzweiflung unterworfen sind) erlöst. In diesem Sinne, Ananda, musst du das verstehen, dass der gesamte heilige Wandel in der Freundschaft der Guten, der Gesellschaft der Guten, in der Genossenschaft der Guten besteht. Darum musst auch du, Großkönig, dich schulen: Als Freund der Guten, als Geselle der Guten, als Genosse der Guten musst du an einer Eigenschaft festhalten. An der Unermüdlichkeit in guten Dingen. Wenn du unermüdlich, oh Großkönig, an der Unermüdlichkeit festhältst, wird dein eigenes Selbst behütet und beschirmt sein, werden die Frauen am Hofe behütet und beschirmt sein, werden die Schatzkammer und das Vorratshaus behütet und beschirmt sein. Der Weise, der unermüdlich ist erlangt beiderlei Segen: Segen im gegenwärtigen Leben und Segen für sein künftiges Dasein. Weil er den Segen gewinnt, darum heißt der Ausdauernde ein Weiser.“
Freundschaft muss sich bewähren. Ausdauer, Geduld, Unermüdlichkeit ist gefordert. Wenn Geduld gesagt wird treten wir in den Wirkraum der „Paramitas“ der transzendenten Funktionen, die uns verwandeln, aber auch in den Raum der „Indriyas“, wo allgemeine Eigenschaften sich zu „Balas“ wandeln und zu heilsmächtigen Fähigkeiten werden, die uns auf dem Pfad weiterbringen. Der „wahre Freund“ wird in
A IV 7, 35: so beschrieben: „Sieben Eigenschaften besitzt der, den wir uns zum Freunde wählen: „Er gibt, was schwer zu geben ist, tut, was schwer zu tun ist, er trägt, was schwer zu ertragen ist, seine Geheimnisse vertraut er einem an. Das Geheimzuhaltende hält er geheim. Er verlässt einem nicht im Unglück, er verachtet einen nicht, wenn wir in Armut sind.“ Noch weitere sieben Eigenschaften werden gleich anschließend genannt.
A VII 7, 36: „Mit einem, der sieben Eigenschaften besitzt, soll man verkehren und Gesellschaft pflegen, selbst wenn es einem verwehrt wird.“ Diese Eigenschaften sind: Er ist liebevoll und gefällig, ernst, verehrungswürdig, gibt Belehrungen und nimmt Ermahnungen an, führt tiefsinnige Gespräche und verleitet nicht zum Verkehrten.“ Die Sieben - Zahl an Eigenschaften wird in mehreren Variationen angeführt. Hier noch eine davon: A IV 7,40: „Da besitzt ein Mönch Vertrauen, Schamgefühl, sittliche Scheu, großes Wissen, Willenskraft, Achtsamkeit und Weisheit. Die sieben Grundlagen der Ehrwürdigkeit habe ich gewiesen nach dem ich sie selbst erkannt und verwirklicht habe.“
Ein viel zitiertes Sutta in dem auch über Freundschaft gesprochen wird ist Singalakos Ermahnung (D III 31).
Der Buddha trifft Singalako bei seinem morgendlichen rituellen Bad an, wie er
nämlich gerade den sechs Himmelsgegenden seine Verehrung darbringt, wie es ihn
sein Vater gelehrt hat. Der Buddha meint jedoch, dies wäre nicht die rechte Art
den sechs Himmelsgegenden die Verehrung dar zu bringen. Es folgt nun eine
Belehrung darüber, welche „Tatengelüste“ zu vermeiden sind. „Lebendiges
umzubringen ist „Tatengelüst“, nicht Gegebnes zu nehmen ist ein „Tatengelüst“.
Buddha mahnt zum Einhalten sämtlicher Silas, warnt aber auch davor, Handlungen
auszuführen, die von Gier, Hass, Verblendung und Angst geleitet sind. Dann
spricht er über die sechs Gebiete, wo man sich nach abwärts verliert: Sich müßig
auf der Straße herumtreiben, Festversammlungen besuchen, Spiel und Zerstreuung
sich hingeben, lässig sich gehen lassen und letztlich schlechte Freundschaft
schließen. „Sechserlei Elend bringt es mit sich wenn man schlechte
Freundschaften schließt, die da Spieler sind, Schwärmer und Trinker, die
Betrüger, Schwindler und Raufbolde, die hat er zu Freunden, hat er zu Gefährten.
Das ist Bürgersohn sechserlei Elend das der Anschluss an schlechte Freunde mit
sich bringt. Der Buddha warnt auch vor falschen Freunden, die abwärts ziehen auf
schlechte Fährte: „Nurimmernehmer sein als Freund, zum guten Rat bereit, mit
ja bedienen jeder Zeit und abwärts an sich schließen gern.“
Diese vier gelten eigentlich als Feinde. Als treuherzige Freunde nennt der folgende Merkvers:
„Wer Wohltat ausübt als ein Freund und wer in Freud und Leid besteht, wer Heil zu deuten nicht versäumt. Als Mitempfinder herzenstreu. Diese vier gelten als wahre Freunde. Abschließend gibt der Buddha dem Singalako Anweisungen, wie die Himmelsgegenden recht zu ehren sind:
Im Osten die Eltern
Im Süden die Lehrer
Im Westen Weib und Kind
Im Norden der Freund
Unten Diener und Knechte
Oben Asketen und Priester
In einem anderen Sutta (A V 44) werden unterschiedliche Typen von im „Hause Lebenden“ geschildert.
Zum Beispiel: Da, Ananda, ist ein Mensch liebevoll, angenehmer Gefährte, andere leben gern mit ihm zusammen. Aber er ist ohne Erfahrung, ohne Strebsamkeit, hat nichts mit der Erkenntnis durchdrungen und auch zeitweilige Loslösung ward ihm nicht zuteil (das heißt er findet nicht einmal zeitweise Freude und Begeisterung beim Hören und Ausüben der Lehre). Ein solcher macht keinen Rückschritt, aber auch keinen Fortschritt oder: Einer ist voll Groll und Gier, hat keine Erfahrung usw. (wie oben) der macht einen Rückschritt. Oder: Da ist einer, der ist voll Groll und Gier, hat aber Erfahrung, hat in Erkenntnis etwas erreicht und es wird ihm zeitweilig Loslösung zuteil. Der macht einen Fortschritt, steigt höher. Nach Schilderung von Variationen diesen Persönlichkeitstypen spricht der Buddha eine Warnung aus. ER warnt vor voreiliger Kritik und stellt fest: „Wenn da einer Erfahrung besitzt, Erkenntnis erreicht hat und Loslösung erfahren hat ist er besser dran, weil der Strom der Lehre ihn mit sich fort reißt. Wer aber, Ananda, außer dem Vollendeten kann dies genau feststellen. Darum, Ananda, urteilt nicht die Menschen ab! Legt an den Menschen keinen Maßstab an. Man schadet sich selbst, wenn man Menschen aburteilt. Ich freilich vermag den Menschen abzuschätzen oder einer, der mir sehr ähnlich ist. „Diese Stelle hat mich unter anderem an Lao-Dzi erinnert, der folgendes schildert (Quellender Urgrund Seite 41). „Da ist einer der wegläuft, sein Vermögen verprasst, in alle Himmelsrichtungen wandert und nicht heimkehrt, was ist das für ein Mensch! Die Welt hält ihn für einen Verlorenen. Da ist ein anderer, geschickt macht er sich einen Namen, tritt großartig auf in der Welt, was ist das für ein Mensch! Die Welt hält ihn für einen Weisen und klugen Herrn, aber beide sind Verlorene! Doch die Welt verwirft den einen und billigt den anderen, aber nur der Berufene weis, was zu billigen und was zu verwerfen ist.“ Die wenigen hier ausgewählten Suttenbeispiele sagen uns, dass der Buddha einerseits klare Empfehlungen ausspricht und bestimmtes Verhalten anmahnt, andererseits aber zu Behutsamkeit und Zurückhaltung rät. Überall aber ist die basale Empfehlung zu spüren: Trachte danach den anderen Menschen und Wesen in der Welt ein Freund zu sein und wie der Buddha den Freund definiert hat, kommt schon in diesen wenigen Beispielen zur Darstellung. Als Freunde im Dharma ermutigen wir einander auf den Weg zur geistigen Befreiung. Am Beginn unserer geistigen Entwicklung müssen wir mit gewöhnlichen Menschen als helfenden Freunden und Lehrern zusammentreffen. Wer uns aber am Anfang am meisten helfen kann ist ein geistiger Lehrer, der uns eben als gewöhnlicher Mensch begegnet, der spirituelle Freund. In der erweiterten Sangha, der alle ernsthaften Nachfolger des Buddha angehören, sollte Lehren und Lernen in austauschbaren Rollenverhältnis erfolgen. In einem kontinuierlichen Prozess des Austausches von Wissen und Praxiserfahrung als Sinn der Zusammenkünfte in lokalen Gruppen, in Zentren usw. Ist unsere Entwicklung etwas fortgeschritten, ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir einem Lehrer der Bodhisattva – Stufe begegnen höher geworden.
Gampopa beschreibt diesen so: „Ein Bodhisattva als geistiger Lehrer weist folgende Eigenschaften auf. –
· Er folgt genau der Bodhisattvadisziplin in ethischem Verhalten und gutem Benehmen.
· Er hat den Dharma gründlich studiert.
· Er hat tiefes Verständnis für die Wirklichkeit des Seins.
· Er ist von Liebe und Mitgefühl erfüllt.
· Er ist furchtlos.
· Er hat Geduld.
· Er hat einen unermüdlichen Geist.
· Er verwendet die richtigen Worte.
Diese hohe Stufe des spirituellen Freundes und Lehrers ist selten geworden. Wir müssen uns meist mit einer geringeren Qualifikation zurechtfinden. Wichtig bleibt, dass jeder Nachfolger seine Rolle als spiritueller Freund versteht, stetig anwachsendes Vertrauen in den Buddhadharma entwickelt, sich dem Sangha widmet, Wissen und Erfahrung ansammelt und sie je nach Vermögen und Situation auch weiter zu geben bereit ist. Die Fähigkeit dazu wächst mit der kontinuierlichen Übung. Diese Fähigkeiten können wir begründet sehen, in dem Vertrauen, das der Buddha in seine Nachfolger setzte. Er hat die Lehre vollkommen auf seine Schüler übertragen und sie als befähigt gesehen, den Dhamma zu praktizieren und an Nachfolger weiter zu geben. Alle Freunde im Dharma stehen in (einer dieser) Traditionslinie(n). Letztlich geht es darum den Lehrer nicht zu enttäuschen und volles Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu haben. Wir sollten im Bewusstsein leben, dass wir als Freunde im Dharma an seinem Fortleben und seiner Entwicklung so wie seiner weiteren Verkörperung verantwortlich teilhaben. Wann immer wir in das Leben des Dharma (und damit in unser eigenes und das unserer Freunde) eingreifen wollen, sind folgende Überlegungen zu stellen:
Vergessen wir nicht, dass wir den Dharma auch durch unsere generelle Lebenshaltung vermitteln. (Auch das gehört zur Übertragungslinie). Das eben Beschriebene meint durchaus nicht nur spezifische, institutionalisierte Lehr- und Lernsituationen, sondern auch das (hoffentlich häufig gepflegte) Dhammagespräch unter Freunden. Das letzte Ziel, dass wir uns setzten können, besteht ja darin, dass wir dem Lehrer ebenbürtig werden oder eben wahre Freunde.
PS.: Wir leben in einem Universum, das als Holarchie bezeichnet werden kann.
Eine Rangordnung von ganzheitlich organisierten Einheiten, die aufeinander
bezogen und voneinander abhängig die Totalität bilden. Rangordnungen in
menschlichen Gruppen sind ebenso naturnotwendig gegeben und wir müssen mit ihnen
leben, ob wir wollen oder nicht. Auch der Buddha hat empfohlen, dass im
Mönchsorden einander Gleichgestellte mit Freund ansprechen. Ältere Mönche und
Lehrer aber als Herr oder Ehrwürdiger angesprochen werden sollten, die
ihrerseits die anderen mit Freund oder mit ihren Vornamen ansprachen. Hierarchie
kommt aus dem Griechische. Hieros = heilig. Archie = Gesellschaft. Es geht also
grundsätzlich um die Herrschaft des Heiligen, der die Rangordnungen entstammen
(die später eine große Rolle spielen und immer wieder als Machtinstrument zum
Beispiel in Rangordnungen von Priestern missbraucht wurden). Wenn wir aber
Hierarchie als heilige Ordnung ansehen, dann impliziert dies meines Erachtens
die mutuelle (gegenseitige) Achtung und Ehrfurcht voreinander. Der Lehrer
repräsentiert Höheres und Höchstes in mir, wie ich das in ihm repräsentiere, das
gehalten, getragen und genährt werden will. Beide zusammen als Einheit leben im
Raum des Dharma, der sie trägt und der von ihnen getragen wird. Für
unerleuchtete Wesen wie wir es sind spielt die von Wertungen, Wünschen und
Emotionen getriebene Dynamik der Gruppen eine große Rolle. Vor allem wenn sie
nicht mit Achtsamkeit, Geduld und Mitgefühl beobachtet wird. Die in ihrem Rahmen
entstehenden Hierarchien sind unvermeidlich und nur dann heilsam, wenn sie
transparent gemacht werden und von gegenseitigen Respekt und Akzeptanz getragen
sind. Das eine (der Dharma) steht in abhängigen Kontext zu den Zielen (der in
ihm lebenden Trägern des Dharma) deren lebendige Ordnungen zu einem harmonischen
Wachstum geleitet werden wollen. Das geht nur, wenn es uns gelingt, in jeder
Weise Freunde im Dharma zu sein und zu bleiben.
Zur Praxis:
1. Kontempliere ernsthaft und geduldig: Bin ich mir selber Freund?
2. Wen in meiner Umgebung will ich als wahren Freund bezeichnen?
3. Gibt es in meiner Dharmagruppe, in deren Gemeinschaft ich praktiziere wahrhafte Freunde?
4.
Mache jeden Tag einen Menschen deiner alltäglichen Umgebung ein
kleines Geschenk (Geschenke schaffen, bzw. erhalten Freundschaft!)
Versuche dies wenigstens eine Woche durchzuhalten, ist doch Dana der erste
Schritt!
Möge allen fühlenden Wesen
Freundschaft zuteil werden!
Upul
