Upul’s Sutta Columne 05'1 +2

 

Mitgefühl.

Alle Religionen versuchen Verhalten und Beziehungen der Menschen in vier Bereichen zu beeinflussen:

Die Triebhaftigkeit (Leidenschaft), die geheimnisvollen, bedrohenden Mächte der umgebenden Welt, die religiöse Wirklichkeit und schlussendlich andere Lebewesen, wie Tiere und Menschen betreffend.

So finden wir natürlich im Rahmen der Buddhalehre unter den zahlreichen vorgeschlagenen Meditationen und Kontemplationen auch solche, die in erster Linie unsere Haltung anderen Menschen gegenüber regeln wollen. Sie sind unter den Namen Brahmaviharas (göttliche Verweilungen, Stationen Brahmas) genannt worden. Es geht hier um die Erweckung positiver Geisteszustände des Meditierenden, die er dann übenderweise in alle Himmelsrichtungen ausstrahlt. Die vier Geisteszustände, auch Unermesslichkeiten genannt, sind: Metta (Freundlichkeit, grenzenlose Güte, nicht messende Liebe), Karuna (Mitgefühl, grenzenloses Erbarmen), Mudita (grenzenlose Mitfreude, wenn andere leidfrei sind oder leidfrei werden), Upekkha (grenzenloser Gleichmut).

Wir finden an mehreren Stellen einen fast gleich lautenden Sutrentext:

Vier Unermesslichkeiten gibt es, da durchstrahlt der Mönch in einem von liebender Güte (Mitgefühl, Mitfreude, Gleichmut) erfüllten Geist erst eine Richtung, dann eine zweite, eine vierte und ebenso nach oben und nach unten und ringsherum. Und überall sich mit Allen verbunden fühlend, durchstrahlt er die ganze Welt mit weitem, erhabenem, unbeschränktem Geist, frei von Gehässigkeit und Groll.“ Am Beginn eher als untergeordnete Praxis gesehen, aber doch ein wichtiges Mittel, um Erleuchtung zu erreichen. Bei „Metta“ (hat eine gewisse Nähe zur christlichen Agape) geht es um Zeichen von „Freundschaft“, Freundlichkeit. Der nahe Feind von Metta ist die besitzergreifende, anhaftende, unfrei machende Liebe (Raga). Der ferne Feind ist der Hass. Metta bedeutet immer, Anderen Gutes zu tun, die Fähigkeit, die guten Seiten des Anderen zu erkennen, das gleiche Glück für sie zu wünschen wie für mich selbst. Ganz gleich um welche Art von fühlenden Wesen es sich handelt. Im südlichen Buddhismus wird die Metta – Sutta sehr häufig täglich rezitiert. Wichtig ist, dass wir wissen sollten, dass wir Andere nicht lieben können, wenn wir uns selbst nicht lieben: Jeder Selbsthass muss aber zuerst erkannt und getilgt werden. Nur durch Meditation in Verbindung mit Weisheit kann sich Freundlichkeit in selbstlose Liebe verwandeln.

 

2) Karuna (wird im Folgenden besonders und ausführlich behandelt)

 

3) Mudita (Mitfreude) Jeder Schatten, der auf Mitgefühl fällt, wie Hoffnungslosigkeit und anderes, wird durch die Übung von Mitfreude überwunden. So ist Mudita ein gutes Mittel gegen Verstimmung und Depressionen. Es gibt immer und überall Menschen, die in eine günstige Situation gelangen, Erfolg haben und froh sind. Leider hören wir von dem Begriff Mitfreude selten; häufiger ist Schadenfreude, Neid und Menschenabwertung. Meist werden die in der besseren Situation beneidet: Was die eigene negativ beurteilte Position noch verstärkt.

Natürlich gibt es neben dem materiellen Neid auch spirituellen Neid. Er, sie hat länger, besser usw. meditiert als ich, viel mehr Einweihungen usw. und was sonst in den Rahmen des „spirituellen Materialismus“ fällt. Mitfreude an den Erleuchteten ist eine vorwegnehmende Teilnahme an dem Zustand, den man selbst erreichen will.

 

4) Upekkha (Gleichmut meint zunächst die neutralen Gefühle – weder angenehm, noch unangenehm) Es ist aber auch die Haltung eines gelassenen unbeteiligt Seins. Der Übende wird weder von etwas angezogen, noch abgestoßen. Er bleibt gelassen bei sich selbst und stellt sich achtsam und neutral allen weltlichen Dingen gegenüber ein. In einem Sutra wird berichtet, dass der Buddha einem Brahmanen begegnet, der ihn beschimpft und die Lehre verunglimpft und viele ungute Worte gebraucht. Der Buddha hört ein Weilchen zu und dann sagt er „Brahmane kann ich dir eine Frage stellen?“ Nachdem der zugestimmt hat, sagt der Buddha: „Wenn du viele Leute bei dir eingeladen hast, aber sie sind nicht in der Lage, all die Speisen aufzuessen, die du aufträgst. Was machst du da?“ Sagt der Brahmane: „Dann heben wir die Speisen sorgfältig auf und essen sie alleine am nächsten Tag“. „Siehst du Brahmane, so geht es dir mit mir. Du hast mir viel aufgetischt, aber ich nehm’ es nicht zu mir. Es bleibt bei dir, du musst sehn, wie du damit fertig wirst.“

Der nahe Feind des Gleichmuts ist die stumpfe Gleichgültigkeit dessen, der nur seine Ruhe haben will. Der ferne Feind ist zornige Aufgeregtheit und Unruhe. Hat der Übende Gleichmut erreicht, kann er sich allmählich als Zuschauer bei all den Spielen erleben, die andere Menschen durchführen. Spiele, die ihn immer weniger angehen.

 

Karuna: Im Bereich des Hinayana ist Karuna eine der vier Brahmaviharas. Das Hinayana hat ein rationales Paradigma, das einer psychologischen Grundhaltung folgt (psychologisch-pluralistischer Realismus). Dieser Weg der Disziplin und der Reinheit ist die Grundlage für das Betreten des Pfades. Im Mahayana, das einer transrationalen (wobei die Ratio mit eingeschlossen wird!) und sogar kosmologischen Grundhaltung folgt, (Philosophisch-idealistischer Monismus) spielt die Einheit von Leerheit und Mitgefühl eine große Rolle. Freundlichkeit und Mitgefühl werden hier zu Kardinaltugenden höchster Ordnung. Das Mahayana misst den sozialen Gefühlen einen hohen Stellenwert zu. Dem damaligen Zeitgeist liegt die praktische Übung der „Nächstenliebe“ näher, als die nüchterne Einsicht in die höchste Wirklichkeit.

Karuna bedeutet Mitgefühl, liebende Hinwendung, Erbarmen (von der Wortwurzel her bedeutet dies ab-armen = Armut verringern helfen.) Dies ist eine Erfahrung unserer ursprünglichen „Weisheit“, die jeder von uns kennt. Momente von gläubigem Vertrauen, tiefem Mitgefühl und altruistischer Motivation. Diese Empfindungen motivieren uns dazu, heilsam zu handeln. Ein kurzer Seitenblick auf die Biologie des helfenden Verhaltens zeigt uns, dass es sich vom Brutpflegeverhalten ableiten lässt. Noch bei den Echsen herrscht agonales (lieblos aggressives) Verhalten vor. Erst jenseits der Echsen, bei den Vögeln und Säugetieren setzt in der Evolution die liebende Fürsorge für die Nachkommen ein, von der sich die meisten sozialen Verhaltensweisen ableiten lassen. Bei menschlichen Gruppen werden die angeborenen positiven Verhaltensweisen durch Verträge innerhalb der Gruppe und Gesellschaft überlagert. Da in diesem Bereich es meist die Mütter sind, die diese Aufgabe übernehmen, wird beim Einüben von Mitgefühl daran erinnert, dass alle Wesen schon einmal unsere Mütter gewesen sind. (siehe „Tonglen“ am Ende unseres Artikels).

 

Der Dalai Lama meint, dass Karuna viel mehr ist als bloßes Mitleiden. Ein höchst aktives Tun, das in einer stabilen, auf das Universale gerichtete Motivation gründet, um eine geistige Grundhaltung zu erreichen, die in die Situation des Leidens eindringt, um sie zu ändern, ohne selbst vom Elend getrübt zu werden. Er zieht deshalb den Begriff heilende Hinwendung vor.

Um in die Situation des Leidens eindringen zu können, bedarf es eines stabilen Lebensgefühls und der Furchtlosigkeit. Einmal wurde der Karmapa bei einer Belehrung über Mitgefühl gefragt, „ja soll man denn alles in sich aufnehmen, auch wenn der andere an Krebs erkrankt ist?“ Der Karmapa antwortete: „Ja, sie nehmen alles in sich hinein. Sie lassen ihr Herz vom Schmerz der Welt berühren und verwandeln ihn in Mitgefühl.“ Der Fragende wusste nicht, dass zu diesem Zeitpunkt bei dem Bodhisattva Karmapa bereits ein Krebs diagnostiziert war. Der Karmapa aber blieb freudvoll mitfühlend allen Menschen gegenüber bis zu

 

Gendün Rinpoche

 

 seinem Tod. Das Mitgefühl erwächst aus der angstfreien Möglichkeit unseres Herzens, sich von allem, auch von Leid und Schmerz, berühren zu lassen. Gemeint ist damit, so sagt Chögyam Trungpa: Das erwachte Herz des wahren Kriegers, das weich und wund ist. Sobald wir die Augen für die Welt öffnen können, überkommt uns tiefe Traurigkeit, die starkes Mitgefühl aktiviert. Chögyam Trungpa meint auch, das es dieses sanfte Herz des Kriegers ist, das die Macht hat, die Welt zu erhellen. Die Kraft des mitfühlenden Herzens, des echten Mitgefühls, allen Schmerz zu verwandeln, ist außerordentlich groß. Eine Gefahr liegt hier im nahen Feind des Mitgefühls, im Mitleid. Im Mitleid beginnen wir uns mit dem Übermaß an Schrecken und Erbärmlichkeit zu identifizieren und können in die dunkle Schwermut verfallen. Jack Kornfield schildert drastisch eine Erfahrung, in die ihn mitleidige Großzügigkeit gebracht hat. Als er in einer langen Reihe von Bettlern Geld gerecht verteilen wollte, wurde er von diesen hart bedrängt. In seiner Not warf er das Geld im hohen Bogen von sich und musste dann die qualvolle Rauf-Szene des Geldes wegen mit an sehen. Er meint dazu, dass auch mitfühlende Großzügigkeit gelernt werden muss. Mitgefühl bedeutet, dass wir uns in die Lage der Anderen versetzen können, aber darauf achten müssen, dass wir nicht in die emotionale Falle geraten: Dass wir uns nicht anhaftend, nicht abhängig verhalten. Der Mitleidige, aber auch der Grausame sind emotional anhaftend. (Im Sadomasochismus sind Schmerz und Vergnügen sogar eng verschmolzen). Es ist in diesem Bereich sehr schwierig, die wahren Motive herauszuarbeiten. Der vom Elend der Welt Niedergerungene kann unter Umständen eine ihm selbst unbewusste sadomasochistische Neigung ausleben. Verwenden wir den Begriff Erbarmen (ab-armen!), dann sind wir weniger im Bereich des Mitleidens. Hier besteht auch die für Hilfestellung richtige (emotionale) Distanz: Nicht anhaftend, aber auch nicht in kühler transzendenter Ferne. Es geht auch hier um den mittleren Weg. Denn wahres Mitgefühl bedeutet auch, uns selbst zu lieben, unsere eigenen Bedürfnisse zu respektieren und unsere wahren Fähigkeiten zu realisieren. Der Buddha begegnete einst zwei Akrobaten. Großvater und Enkelin die waghalsige Kunststücke vorführten. Sie fragten den Buddha, wie sie sich am besten absichern und einander helfen könnten. Der Großvater meinte, jeder sollte dem anderen helfen, er sollte auf seine Enkelin und sie auf ihn aufpassen. Die Enkelin meinte hingegen, dass jeder gut auf sich selbst aufpassen sollte. Der Buddha gab ihr Recht. „Wenn jeder von euch gut Acht gibt, was er selber tut und mit Respekt und Aufmerksamkeit auf sich selber achtet, dann gibt es den gegenseitigen Schutz.“ In einem anderen Sutra sagt der Buddha zu Ananda. „Wie schützt man sich selber am besten, Ananda? Indem man den anderen schützt. Wie schützt man den anderen am Besten? Indem man sich selber schützt.“ So beraten kommen wir nicht in eine Situation „ungesunden Mitgefühls“ und gegenseitiger Abhängigkeit. Wenn wir ideales Mitgefühl missverstehen, verstärkt es die Abhängigkeit und die Impulse des Festhaltens (Anhaftens), die auf einem angsterfüllten Selbstgefühl beruhen. Die Basis für Mitgefühl schafft man dadurch, dass man zunächst eine sensible Haltung sich selbst gegenüber entwickelt, denn wahres Mitgefühl erwächst aus einem gesunden Selbstgefühl. Menschen in helfenden Berufen, denen es an gesundem Selbstgefühl mangelt, geraten oft in die Lage, „Opfer des Berufs“ zu werden, weil sie aus dem geringen Respekt vor sich selbst zu viel geben, sodass sie irgendwann ausgebrannt sind. Was natürlich weder ihnen, noch ihren Schützlingen nützt. Auch im spirituellen Bereich kann es vorkommen, dass die mitfühlende Haltung sich selbst gegenüber vernachlässigt wird. Es ist wichtig, seine Fähigkeiten und die Grenzen seiner Leistungsmöglichkeiten zu respektieren. Ayya Khema zum Beispiel hat am Beginn jedes ihrer Seminare immer betont, dass, wer an einem intensiven, länger dauernden Meditationssetting teilnehmen will, geistig und körperlich völlig gesund und stabil sein sollte. Gewaltlosigkeit gegen sich selbst ist eben auch wichtig und ein wichtiger Aspekt unserer grundlegenden Freiheit. Auch der Buddha hat seine Grenzen akzeptiert. In einem Kloster war ein heftiger Streit wegen eines Verstoßes gegen bestimmte Klosterregeln entbrannt. Der herbei geeilte Buddha empfahl den Mönchen, dass sich beide Gruppen entschuldigen sollten, um den Konflikt beizulegen.

Die Mönche vertraten aber strikt die Auffassung, dass dies ihre und nicht Angelegenheit des Lehrers sei. Der Buddha sagte sich: (so steht es im Sutra) „Ich tat, was ich konnte und verließ die „bockigen“ Mönche.“ Er verbrachte sein Regenzeit - Retreat, ruhevoll und friedlich, fern ab von ihnen. Man hat den Buddhismus nicht zu Unrecht als die Kunst des Möglichen bezeichnet.

 

Im Folgenden einige Zitate bedeutender Lehrer, welche die zentrale Stellung des Mitgefühls unterstreichen:

Gendün Rinpoche stellt fest: Die gesamte Lehre des Buddha steht auf zwei tragenden Pfeilern. Der großen Weisheit (Prajna) und dem großen Mitgefühl (Mahakaruna). Auch Suzuki Roshi meint, dass ohne dieses Herz der Liebe und des Mitgefühls das große Samadhi des Buddhas nichts beitragen würde zur spirituellen Entwicklung des Menschen. Diese zentrale Positionierung des Mitgefühls ist der charakteristische Zug des Mahayana, der es von allen früheren Entwicklungsstufen der Buddhalehre unterscheidet. Dieses „Herz“, das sich grenzenlos weiten kann und das von großer schöpferischer Kraft ist, verwandelt diese irdische Welt in eine Welt der Ungetrenntheit und Verschmolzenheit aller Dinge. So wird zum Beispiel im Vajrayana der so genannte Yoga der göttlichen Wesenheiten so praktiziert, dass Formqualitäten eines Buddha (oder Buddhaaspekts) als Licht und Energieform visualisiert werden, um eine vollständige, allumfassende, das Materielle mit einschließende Verwandlung zu erreichen. So wird letztlich die Nichtdualität von Materie und Geist bedacht. Der Dalai Lama formuliert so: „Dies ist die Logik der Liebe. Liebe ist Ausdruck der primären Beziehungsstruktur, die alles hervorbringt. Die geistige Welt und die Erscheinungsvielfalt der Welt.“

Nur unsere Unwissenheit gaukelt uns vor, dass die Dinge aus sich selbst heraus bestehen, isoliert voneinander. Die Liebe recht verstanden führt uns zur Überwindung dieses Grundirrtums, der die Hauptwurzel allen Leidens ist. So ist der Weg zur Buddhaschaft kein individueller Heilsegoismus, sondern eine alle Stufen der Wirklichkeit betreffenden Transformation in dem immer subtiler werdenden Geist (Bewusstheit) bis hin zu dem Geistgrund, in dem das Materielle im Doppelsinn „aufgehoben“ wird, damit die geistige Energie in universale Liebe (Herz) und Zuwendung zu allen (Mitgefühl) in den Bereich der geformten Wirklichkeit hinein strahlen kann. Zum Heile aller Wesen, die sich auf dem Weg zur Vollendung befinden.

 

Die Dharmapraxis hat so zwei Dimensionen:

Die Praxis der inneren geistigen Erfahrung und Entfaltung:

 

Die Praxis des Mitgefühls. Die konkrete heilende Hinwendung und Liebe zu allen Wesen.

Ohne radikalen Altruismus und unbedingte Liebe kann es keine Heilsverwirklichung geben. Der Dalai Lama betont aber auch: „um gute Schüler des Buddhas zu sein, müssen wir vor allem heilende Hinwendung (Karuna) und Ehrlichkeit üben.“ Indem wir am Leid anderer teilnehmen, wird das Wohlergehen aller Wesen (uns selbst mit eingeschlossen!) immer wichtiger. Der Buddha hat immer ein Gleichgewicht von Weisheit und heilender Hinwendung gepredigt, sodass ein klarer Verstand und ein liebevolles Herz immer zusammen arbeiten. Dieses „Herz“, das die Welt in eine Welt des Lichtes und der Verschmolzenheit aller Dinge verwandelt, meint den ganz anderen Seinszustand, der im Avatamsaka Sutra dargestellt wird: Alles ist durchsichtig, leuchtend, es gibt keine Schatten. Dieses Licht transzendiert alle Entfernungen, alle Zeit, alles Trübe und Hässliche. Suzuki Roshi nennt diese Welt des Leuchtens und der gegenseitigen Durchdringung Dharmadatu (im Unterschied zur alltäglichen Seite der Einzeldinge der Lokadatu). Die Dharmadatu, nur von der spirituellen Höhe der Bodhisattva sichtbar, ist zwar nicht raumzeitlich, aber dennoch nicht getrennt von der Lokadatu. Die Dharmadatu ist Lokadatu. Die Buddhas und Bodhisattvas sind wir. Die Mauer zwischen den Welten bestehen nur aus unseren Einbildungen. Buddhas Arme sind unsere Arme, die den Freunden das Salz reichen: Wir sehen die Bodhisattvas in jedem schweißüberströmten Gesicht und die Tränen der Mütter sind die der Bodhisattvas des Erbarmens. Ein Zen Meister sagte einmal: Das wunderbare Wirken von übernatürlichen Kräften findet sich im Wasserholen und Holzhacken…..

Gendün Rinpoche verdeutlicht uns die alles überragende Bedeutung des Mitgefühls so: Weisheit und Mitgefühl, miteinander verschmolzen, sind im Dharmakaya ( = das wahre Wesen des Buddha, das mit der transzendenten Wirklichkeit des Essenz des Universums identisch ist). Er sieht im Dharmakaya ein Geschehen und beide zusammen bilden den Urgrund des Lebens. Die ontologische (seinsbegründende) Bedeutung dieser Sichtweise führt Gendün Rinpoche so aus: Das große Mitgefühl ist die bewegende Kraft des Universums, seine Schöpfung. Die große Weisheit ist Betrachtung, tiefe Schau, Meditation, Samadhi: Obzwar sie zwei sind, sind sie eins. Betrachtung ist Schöpfung, Schöpfung ist Betrachtung. Gewissermaßen in sich selbst versunken ist das Universum ständig neu im Entstehen und bildet sich aus tiefer Kontemplation. Gendün Rinpoche meint auch, dass alle Entwicklung von Wissenschaft und Technik nur eine Quelle des Elends sein wird, wenn das große Mitgefühl nicht verstanden wird. Solange das Herz und das Mitgefühl fehlen, werden die Menschen nie ihre tiefe spirituelle Verbundenheit entdecken können. Wenn die Herrschaft des kleinen Egos immer stärker wird, wenn der Einzelne auf Kosten des höheren Geistigen immer mächtiger wird, muss die Welt im Elend versinken. Wenn wir meditieren, halten wir still und haben Erlebnisse, die im Gegensatz zu unseren Ich – süchtigen Wünschen stehen und die uns über die selbstischen Wünsche nachdenken lassen. Mitgefühl, so fährt Gendün fort, empfinden wir vor allem dann, wenn wir andere leiden sehen. Das kann eine Motivation spiritueller Praxis werden. Aber dieses Mitgefühl ist etwas Vorübergehendes, keine wirkliche Liebe. Es bedarf des Anstoßes von außen. Es sind einfach situationsgebundene Gefühle. Beim Bodhisattva hingegen sind es keine Reaktionen auf bestimmte Wahrnehmungen (diese sind ja immer ein Teil des Anhaftens). Bei ihm sind es inhärente Qualitäten geworden, die sich jederzeit ununterbrochen in seinem Denken und Handeln manifestieren. Sehen wir jemanden leiden, urteilen wir dualistisch. Wir unterscheiden Freund und Feind usw. Diese Art zu fühlen ist weit entfernt vom universellen Mitgefühl des Bodhisattva, das sich bei ihm konstant und ohne einen äußeren Gegenstand manifestiert. Ein Bodhisattva ist nicht betroffen vom Leiden, ganz gleich wer leidet. Sein Mitgefühl ist universell und unterschiedslos. Gendün meint auch, dass die Art, wie wir auf Leid reagieren, mit dem Ego zu tun hat. Wir sind betroffen, weil wir Angst bekommen, es könnte uns selber treffen. Sehen wir jemand leiden, sehen wir etwas, was wir ablehnen. So lange wir Ich - verhaftet sind, fallen wir ins Mitleid. Dieses basiert auf Angst, Abhängigkeit; eigentlich auf dem Wunsch, sich auf das Leid nicht einzulassen. Oft werden wir daran erinnert, dass wir nicht wirklich fähig sind, anderen zu helfen. Oft meinen wir in der Meditation, das Gefühl zu haben, dem Anderen zu helfen. In der Realität funktioniert das aber nicht. So kann das Leid des Anderen negative Reaktionen hervorrufen. Oft ist es auch so, dass unser Mitgefühl kein wahres Mitgefühl ist und die Sorge und das Leid des Anderen die Sorge um uns selbst spiegelt. So wird das so genannte Mitgefühl zu einer Art ‚Notwehr’.

Auch unsere Erwartungen, für Hilfe gelobt oder bedankt zu werden, können dazu führen, dass wir immer verärgerter werden, je mehr wir uns bemühen, zu helfen. Es ist falsch, anzunehmen, dass es Liebe und Mitgefühl bedeutet, wenn wir sehr betroffen sind und uns in das Leid hineinziehen lassen. Je mehr Emotion, desto verwirrter der Geist. Auch hier werden wir Opfer des Anhaftens. Liebe und Mitgefühl meinen nicht, dass wir vom Leid vieler Menschen immer verstörter werden. So wäre Geistesruhe unmöglich und das Bewusstsein wird immer instabiler und wir können nicht wirklich helfen. Mitgefühl sollte eben nicht auf Egoanhaftung beruhen, welche einen Unterschied macht zwischen mir selbst und anderen.

Wir unterscheiden Freunde, Feinde, Gleichgültige. An die große Mehrheit aller fühlenden Menschen denken wir gar nicht. Solange wir von der Vorstellung eines Unterschiedes zwischen Selbst und anderen geleitet sind, ist noch Ego-Anhaftung da. Es geht also auch hier darum, Ich – bezogene Tendenzen zu überwinden. Wollen wir anderen auch wirklich nützen, müssen wir das Ich – Anhaften überwinden. Geschieht dies nicht, werden wir uns selbst immer wichtig und wertvoll sein und unser Selbstbild verstärken, so geht der Kreislauf weiter, weil jeder das Gefühl bestärken möchte, dass er selbst existiert. Wirkliche Liebe und wirkliches Mitgefühl sind Qualitäten, die im Mahayana das Herz des Buddha Dharma ausmachen. Ohne sie kann die Praxis des Pfades in die Irre führen. Liebe, so meint Gendün, ist der tiefe Wunsch, dass alle Wesen glücklich sein mögen und dass alle Wesen die Ursachen des Glückes haben mögen, wobei damit das Letztendliche allen Wesen inne wohnende Glück, die Buddhaschaft gemeint ist. Wir wünschen dann auch, dass alle Wesen Ursachen des Glücks haben, die da sind: heilsame Handlungen, basierend auf gutem Benehmen und ethischem Verhalten. (Rechtes Handeln aus rechter Sichtweise.)

 

MITGEFÜHL, Teil 1 (Fortsetzung folgt im nächsten Rundbrief)

 

MITGEFÜHL, Teil 2 (Fortsetzung vom letzten Rundbrief)

 

Bei Gampopa wird die zentrale Stellung des Mitgefühls so dargestellt:

Ein Anhänger des Mahayana darf auch nicht einen Augenblick ohne Mitgefühl und Wohlwollen sein, denn die Interessen anderer Wesen werden durch Wohlwollen von Mitgefühl überragt, nicht aber durch Hass. Er empfiehlt folgendermaßen zu kontemplieren:

Bedenke, dass alle Wesen einmal deine Mutter waren und dir haben Wohltaten angedeihen lassen.

 

Auch wenn deine Mutter Fehler gemacht hat:

]     Sie hat dir den Körper gegeben.

]     Hat vieles auf sich genommen, um dir zu helfen.

]     Hat dir als erster die Welt gezeigt

 

Ein Bodhisattva verhält sich zu allen Wesen, als wären sie ein Kind.

Bedenke, dass nichts dem Verdienst gleichkommt, der sich aus einem Augenblick des Wohlwollens ergibt.

 

Ist das Wohlwollen vollkommen, entsteht Mitgefühl.

 

Mitgefühl mit den Wesen üben wir deshalb, weil sie Ursache und Wirkung nicht kennen und daher unwissend sind.

 

Wo das große Mitgefühl des Bodhisattva ist, sind auch die anderen Paramitas vorhanden.

 

Wen wir uns dem Dharma verpflichtet fühlen, sind wir auch die Verpflichtung eingegangen, alle Wesen zu lieben. Mitgefühl hingegen ist der Wunsch, dass alle Wesen frei sein mögen von Leid und den Ursachen, die sie zum Leid führen und dass wir selber schädliche Handlungen vermeiden. Mit ethischem Verhalten ist aber nicht eine Disziplin gemeint, die unser Leben einschränkt. Ethisches Verhalten ist eher als Umsetzen von Mitgefühl und liebender Güte zu verstehen.

 

Um dies in die Praxis umzusetzen sollten wir zwei Dinge vermeiden:

]     Nicht stolz darauf sein, dass wir anderen helfen

]     Kein Resultat erwarten (das das Leiden sofort aufhört. Diese Aktivität hat kein Ende und bleibt unaufhörlich).

 

Und wie entwickeln wir Liebe und Mitgefühl:

]     Wir akzeptieren das eigene Leid und gehen damit sorgsam um.

]     Wir verlieren allmählich die Angst vor dem Leid.

]     Wir haben Vertrauen zur transformierenden Kraft des Buddha Dharma.

]     Wir praktizieren den Dharma und vertrauen darauf, dass wir anderen helfen können. (zum Beispiel Karuna Bhavana)

 

Es ist wichtig unsere Motivation genau einzuschätzen. Oft sind heimliche Hoffnungen da und kein tieferes Gewahrsein unserer wahren Motivation. Den Dharma praktizieren bedeutet immer das uns Mögliche zu tun.

 

Anfangs durch Ich – Anhaftung motiviert, können wir allmählich das Wichtige stärker werden lassen als die Ich – Anhaftung. Wir versuchen stets unser Möglichstes zu tun, um den Wesen zu helfen. Wenn es nicht funktioniert, hegen wir den starken Wunsch, es beim nächsten Mal besser zu können.

Das Visuddhi Magga empfiehlt als Karuna Bhavana ( = Geistesentfaltung, Meditation):

 

Wer das Mitgefühl zu entfalten wünscht, soll bevor er solches in Angriff nimmt vorerst den Unsegen der Mitleidlosigkeit und den Segen des Mitgefühls bei sich erwägen. Dabei soll man das Mitgefühl zunächst nicht auf einen guten Freund oder einen Feind richten, sondern eher „neutrale“ Personen wählen.

 

Wie man beim Anblick eines im Elend lebenden Menschen Mitgefühl empfindet, genauso durchstrahle der Mönch (bzw. der Übende) alle Wesen mit Mitgefühl. Man mag auch einem Übeltäter gegenüber, selbst wenn es diesem wohl ergeht, Mitgefühl erwecken, indem man ihm einem zum Tode Verurteilten gleich sieht, denn auch er kommt mit jedem Schritt dem Tode näher. Ebenso verfahre man mit beliebigen Menschen, denen es gut geht, weil auch sie nicht immer Gutes getan haben.
 

Neben dem hier partiell geschilderten aktiven Weg hat der Anhänger des Mahayana auch den passiven Bodhisattva Weg  zur Verfügung. Der passive Bodhisattva Weg, die Anrufung eines Bodhisattva (oder eines Buddha um Beistand) ist zwar ein leichterer Weg, aber ein Weg, der moralisch verpflichtet: Es wäre undankbar, nicht selbst bei der Erlösung anderer mitzuwirken. Also auch hier besteht das Streben selbst zu einem Bodhisattva zu werden. Da eine Anrufung, eine personale Beziehung erfordert, helfen wir uns mit Personifikationen. Ich möchte hier kurz die wichtigste Personifikation des Mitgefühls, den transzendenten Bodhisattva, Avalokiteshvara, tibetisch Chenrezi schildern. Avalokiteshvara ist „der Herr, der herabschaut“ oder „der die Klänge (Schreie) der Welt wahrnimmt (und sie erlöst)“. Avalokiteshvara verkörpert einen der wesentlichen Aspekte der Buddhaschaft, das Erbarmen (Karuna). Daher führt er auch den Beinamen Maha Karuna (das große Mitgefühl). Der andere wichtige Aspekt ist Weisheit (Prajna), die in der Gestalt des Bodhisattva durch Manjusri verkörpert wird. Avalokiteshvara ist die als Bodhisattva wirkende Kraft des Buddha Amitabha (des grenzenlosen Lichtes) und tritt als sein Helfer auf. Es gibt dreiunddreißig unterschiedliche ikonographische Darstellungen. Die heute bekannteste ist die vierarmige, die in ihren inneren Händen das Wunsch erfüllende Juwel hält. Häufig findet man auch vielköpfige, tausendarmige Darstellungen: Beim Hören der Leiden der Welt, zersprang sein Kopf. Nachdem er wieder zusammengesetzt wurde, verkörpern je drei Köpfe Erbarmen, Erbarmen mit allen Leidenden, drei Köpfe Zorn über das Böse und drei die Freude über das Gute. In Karandaviyuha Sutra ist zu lesen: Der Maha Bodhisattva Avalokiteshvara ist eine Leuchte für die Blinden, ein Schirm für die von Sonnenglut Verbrannten, ein Fluss für die Verdurstenden. Denen die in Furcht und Schrecken sind, schafft er Sicherheit, er ist Arzt für die von Krankheit Gequälten; unglücklichen Wesen ist er Mutter und Vater. Den in die Hölle Gestürzten weist er das Nirwana. Glücklich sind die Wesen der Welt, die seines Namens gedenken. Sie entrinnen als erste den samsarischen Leiden. Avalokiteshvaras Anrufungsformel ist das bekannte Mantra „om mani padme hum“, der Ausdruck der grundlegenden Haltung des Mitgefühls. Beim Rezitieren bildet sich der Wunsch nach Erleuchtung zum Wohl aller Lebewesen. Om symbolisiert sowohl den unreinen Körper, die unreine Rede und den unreinen Geist, aber auch die reine Rede, Körper und Geist eines Buddha. Gemeint ist damit, dass die unreinen Zustände Schritt für Schritt überwunden und in das Reine transformiert werden. Die folgenden vier Silben deuten den Weg dahin an:

Mani = Juwel, symbolisiert die Methode, das uneigennützige Streben nach Erleuchtung (Bodhicitta). Mitgefühl, die heilende Hinwendung und Liebe. Wie das Wunsch erfüllende Juwel in den Händen Avalokiteshvaras erfüllt dieses Streben (Bodhicitta), die Wünsche der Lebewesen. Padme = Lotus = Weisheit. Wie der Lotus unbeschmutzt aus dem Schlamm herauswächst, so kann uns Weisheit in einem reinen widerspruchsfreien Seinszustand versetzen. Vollkommene Reinheit muss durch die unteilbare Einheit von Methode und Weisheit erreicht werden, was durch die Silbe (Hum) symbolisiert wird, welche „Unteilbarkeit“ bedeutet. Hum ist aber auch die Silbe, die Unerschütterlichkeit und Unzerstörbarkeit symbolisiert.

Om Mani Padme Hum bedeutet neben der Haltung des Mitgefühls, dass man durch die Praxis des Buddhaweges, der eine unteilbare Einheit von Methode und Weisheit ist, den eigenen unreinen Körper (Rede, Geist) in den reinen erhöhten Körper (Rede, Geist) eines Buddhas verwandeln kann. Im tibetischen Raum führt Avalokiteshvara den Namen Chenrezi, was übersetzt werden kann „mit klaren Augen schauen“. Er gilt als der Schutzpatron des Schneelandes. Die Legende sieht in ihm den Gründungsvater des tibetischen Volkes, König Song Tsen Gampo, der die Buddhalehre eingeführt hat. Aber auch viele andere bedeutende Persönlichkeiten werden als Verkörperung von Chenrezi angesehen, wie zum Beispiel der Karmapa, der Dalai Lama, aber auch andere. In Fernost, China und Japan hat Avalokiteshvara eine weibliche Form angenommen, Guanyin bzw. Kannon in Japan: Den „flehenden Ton der Welt betrachtend“. Kannon manifestiert sich dort, wo ein Wesen der Hilfe bedarf, vor allem wenn jemand von Wasser, Dämonen, Feuer und dem Schwert bedroht ist. Auch kinderlose Frauen wenden sich bittend an sie. In der Ikonographie wird sie gelegentlich mit einem Kind im Arm dargestellt „ Maria Kannon“, oder sie ist in Begleitung eines kleinen Mädchens, das einen Fischkorb trägt. Häufig wird sie auf einem Felsen stehend dargestellt, Menschen aus dem Meer (Wiedergeburt, Kreislauf) errettend. Zu Chenrezi gehört auch die Tara, tibetisch auch Dölma, die Retterin. Die Legende lässt sie aus den Tränen Chenrezis entstehen, sie erscheint, um ihn in seinem Wirken zu unterstützen. Sie ist es, die den weiblichen Aspekt des Mitgefühls verkörpert und ist im Tibet eine sehr populäre „Gottheit“. Es gibt insgesamt einundzwanzig (friedvolle und zornvoll rasende) Formen von ihr. Die Wichtigsten sind die weiße und die grüne Tara.

 

Zum Abschluss sei noch eine wichtige Übung zur Praxis des Mitgefühls empfohlen:

Geben aus Liebe und Nehmen aus Mitgefühl. Geben heißt im Tibetischen Tonglen. Die Übung hat drei Stufen:

Selbst-Tonglen

a)         Wir teilen unsere Persönlichkeit in zwei Aspekte:

1.         Einen der verletzt, zornig, geschädigt, nicht geliebt usw. ist.

2.         In einen mitfühlenden, verstehenden, warmherzigen Teil.

 

b)         Du sagst zu dem ersten Teil, ich verstehe. Beim Einatmen nimmst du alle Leiden, Schmerzen und Verzweiflung auf dich (keine Verurteilungen, keine Abwertungen und Ablehnungen!)
In der Umarmung deines Mitgefühls wird alles Negative durch deine Liebe aufgelöst. Die Dunkelheit des Negativen verschwindet im Lichte deiner Weisheitsnatur.


c)          Beim Ausatmen lasse Liebe, Vertrauen und Heilung strömen, so dass du heil wirst. Sogyal Rinpoche empfiehlt dringend, zuerst dieses Selbsttonglen durchzuführen, bevor wir eben jenen für andere durchführen.

 Tonglen für andere.

 

Denke intensiv an deine Mutter. Stell dir vor, wie schwer es oft für sie war, dich in den späten Monaten der Schwangerschaft zu tragen. Denke aber auch an die Freude, die die Mutter an deinen Bewegungen hatte. Denke an die Schmerzen und Beschwerden der Geburt, die sie auf sich genommen hat, um dir dein Leben zu geben. Sie hat dieses dein Leben, so gut sie konnte beschützt, sie hat dich genährt und sauber gehalten usw. Sie hat dir das Sprechen beigebracht und auch so manche Mühe um deinetwegen auf sich genommen. Sie war es, die dir zunächst einmal die Welt gezeigt hat. Auch wenn die Beziehung später ungut geworden sein sollte, du verdankst ihr dein Leben, deinen kostbaren menschlichen Körper, der dir ermöglicht, deinen Geist zu höherer Entwicklung im Rahmen des Dharmas zu nützen. Ob sie lebt oder schon gestorben ist, sie ist von karmischen Einflüssen selbst-verursachten Leiden, wie von einer dunklen Wolke umgeben und du fasst den Entschluss sie davon zu befreien. Beim Einatmen nimmst du von dieser Dunkelheit so viel auf, als es geht, verwandelst es durch dein verstehendes Mitgefühl im Herzen zu Licht, dass du beim Ausatmen ihr zusendest und das Dunkel allmählich erhellst. Dann denke daran, dass alle fühlenden Wesen im Laufe der zahllosen Kreisläufe einmal deine Mutter, deine Freunde, deine Gefährten gewesen sind. Auch sie sind noch vom Dunkel umgeben. Du atmest es ein, verwandelst es in Licht, das du ihnen sendest.
Nehmen aus Mitgefühl, geben aus Liebe. Man bedenke, nichts kommt dem Verdienst gleich, der sich aus einem Moment des Wohlwollens und des Mitgefühls ergibt.

Abschließende entwickle den intensiven Wunsch, dass du selbst frei sein mögest von Leid und frei sein mögest von den Ursachen, die zum Leid führen. Frei sein mögest von schädlichen Handlungen, dass alle fühlenden Wesen frei sein mögen von Leid, frei von Ursachen die zum Leid führen und frei von schädlichen Handlungen.

 

Mögen alle Wesen glücklich sein.

Upul

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Webmaster 2005

HOME